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| 13:09 Uhr

Natur
Vogtland bebt stärker als sonst

Das Handout aus dem Geofon-Programm des Deutschen Geoforschungszentrums zeigt die Aufzeichnung des dem Vogtland am nächstgelegenen Seismographen in Flechtingen der Schwarmbeben im Vogtland am 12. Mai 2018.
Das Handout aus dem Geofon-Programm des Deutschen Geoforschungszentrums zeigt die Aufzeichnung des dem Vogtland am nächstgelegenen Seismographen in Flechtingen der Schwarmbeben im Vogtland am 12. Mai 2018. FOTO: dpa / -
Bad Elster/Cheb. Als würde ein Lkw unter dem Haus durchfahren: So beschreibt eine Bewohnerin die Erdbeben in der Region. Am Pfingstmontag wackelt es aber stärker als bisher. dpa/uf

Das Vogtland ist am Montagabend von einem Erdbeben der Stärke 4,2 erschüttert worden. Das geht aus Daten des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam hervor. Das Epizentrum befand sich demnach im Nordwesten Tschechiens bei Luby (Schönbach), knapp 20 Kilometer nördlich von Cheb (Eger). Es war der bisher stärkste Ausschlag eines seit 10. Mai in der Grenzregion zwischen Sachsen, Tschechien und Bayern stattfindenden Schwarmbebens. Dabei treten in dichter zeitlicher Reihenfolge kleine Erdstöße im gleichen Herdgebiet auf. Über mögliche Schäden oder Verletzte wurde zunächst nichts bekannt.

In der Erdbebenwarte im sächsischen Collm wurde das Beben mit einer Stärke von 4,1 registriert. Die sogenannte Netzwerkmagnitude – ein Mittelwert aus Daten umliegender Messstationen – habe sogar nur bei 3,8 gelegen, erklärte Petra Buchholz, technische Assistentin in Collm. Das bestätigten am Dienstag auch tschechische Seismologen. Weil der Erdbebenherd in einer geringen Tiefe von nur 6,7 Kilometern gelegen habe, seien die Erschütterungen dennoch deutlich zu spüren gewesen, hieß es in der Akademie der Wissenschaften in Prag.

Bei der zuständigen Polizeidirektion Zwickau gingen bis Dienstagvormittag keine Schadensmeldungen ein. Am Montagabend habe sich nur ein Anrufer gemeldet, der von Erschütterungen berichtete. „Ich habe Fernsehen geschaut und plötzlich gespürt, wie sich auf einmal das Sofa bewegt, außerdem war draußen ein Knall zu hören“, sagte ein Augenzeuge aus der Region um Karlsbad dem tschechischen Rundfunk. Andere berichteten, dass die Gläser im Schrank geklirrt hätten und Haustiere unruhig geworden seien.

Monique Windisch, Assistentin des Bürgermeisters der Stadt Bad Elster, kann sich an viele kleine Beben im Vogtland erinnern – auch wenn sie das vom Pfingstmontag ausnahmsweise verschlafen hat. „Normalerweise hört man ein dumpfes Grollen, so als würde ein Lkw näher kommen. Er fährt dann aber nicht am Haus vorbei, sondern gefühlt unter dem Haus hindurch.“ Auch wenn die Stärke der Beben meist gering sei, fühle man gerade bei längeren Erschütterungen ein Gefühl der Hilflosigkeit. „Man kann nichts machen und fühlt sich ausgeliefert.“ Ihre Schwester habe das Beben am Montag deutlich gespürt: „Da ist sogar das Sofa hin- und hergerutscht.“

Sogenannte Schwarmbeben, die in rascher Folge die Erde erschüttern, sind typisch für das Vogtland. Die stärksten Beben gab es in der Region Mitte der 1980er-Jahre. Damals erreichten sie eine Stärke von 4,6, Schornsteine fielen ein. Da die letzten stärkeren Erschütterungen in den Jahren 2011, 2014 und 2017 auftraten, wurde ein gewisser Drei-Jahres-Rythmus angenommen.

Die jetzigen Erschütterungen fallen damit aus der Reihe. Petra Buchholz widersprach der Ansicht, dass die Beben in der Regel nachts auftreten. „Das ist ein Wahrnehmungsproblem. Abends spürt man das eher, weil man da zu Hause und zur Ruhe gekommen ist.“

Nach Angaben der Helmholtz Gemeinschaft deutscher Forschungszentren waren die schwersten Beben der vergangenen 250 Jahre in Deutschland im Februar 1756 in Düren (Nordrhein-Westfalen) und im November 1911 in Albstadt bei Tübingen (Württemberg) - beide mit Stärke 6,1. In Ostdeutschland führt Gera mit etwa 5,5 die Liste an (März 1872).

Im internationalen Maßstab sind das allerdings „seismologische Peanuts“. Am 22. Mai 1960 explodierte die Erde in Valdivia (Chile) geradezu. Das Beben der Stärke 9,5 riss mehr als 1600 Menschen in den Tod. Vier Jahre später folgte Alaska mit Magnitude 9,4 (125 Tote).