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| 17:49 Uhr

Schulbildung in Sachsen
Beamtentum gegen den Exodus

An den Gymnasien gibt es das Fach Informatik nun durchgehend von der 7. bis zur 10. Klasse – statt vorher nur in der 9. und 10.
An den Gymnasien gibt es das Fach Informatik nun durchgehend von der 7. bis zur 10. Klasse – statt vorher nur in der 9. und 10. FOTO: nd3000 - stock.adobe.com / nd300/fotolia
Dresden. Die Lehrer werden immer weniger. Die Schüler werden immer mehr. Und sie werden immer unterschiedlicher. Sachsens neuer Kultusminister muss für das neue Schuljahr viel umkrempeln. Von Christine Keilholz

Christian Piwarz (CDU) hatte bei seiner ersten Pressekonferenz zum Schulstart auch Erfreuliches zu berichten. Immerhin seien unter den Bewerbern für einen Lehrerjob in Sachsen auch 200 gewesen, die eine Lehramtsausbildung aus einem anderen Bundesland mitbrächten, verkündete der Kultusminister. Sein Parteikollege Lothar Bienst, der Bildungssprecher der CDU-Landtagsfraktion, sprach indes von einem „Exodus der Referendare“, die Sachsen jedes Jahr verloren gingen.

Um den Lehrermangel in den Griff zu kriegen, hat Sachsen schon vor Jahren Lehramts-Studienplätze eingerichtet. Von denen kommt aber nur ein Teil den sächsischen Schulen zugute. Zu viele machen sich nach Ansicht sächsischer Bildungsplaner in andere Länder auf, weil es dort mehr Geld und die Aussicht auf den Beamtenstatus gibt.

Das Ergebnis dieses Gefälles sind die mauen Zahlen, die das Kultusministerium auch zu diesem Schuljahresbeginn wieder zu verkünden hat. Gerade 870 der ausgeschriebenen 1100 Stellen konnten demnach besetzt werden. Die meisten neuen Lehrer fangen nächsten Montag an den Grundschulen und Gymnasien an – je rund 300. Für Berufsbildende Schulen und Förderschulen fanden sich dagegen jeweils weniger als 100 Interessenten.

Wenn die Hoffnungen der CDU-SPD-Koalition aufgehen, können es im nächsten Jahr schon mehr Bewerber sein. Denn dann greift die Verbeamtung auch in Sachsen. Für mehr als 5000 sächsische Lehrer ist ab Januar 2019 eine Verbeamtung möglich. Potenzielle Kandidaten seien in den vergangenen Tagen benachrichtigt worden, sagte der Minister.

Auf das Experiment Beamtentum hatte sich die sächsische Koalition im Frühjahr geeinigt – und dafür eine Altersgrenze eingezogen. Aussicht auf Verbeamtung haben Lehrer bis 42 Jahre. Für den Rest der Lehrerschaft streiten seitdem Gewerkschaften und Opposition um Gehaltszulagen. Die Grüne Petra Zais machte deutlich, es müsse „einen Nachteilsausgleich gegenüber verbeamteten Lehrkräften geben“.

Zudem kündigte Piwarz für alle Schularten neue Schulordnungen an, die ab Montag in Kraft treten sollen. Damit will Sachsen auf die „zunehmende Heterogenität der Schülerschaft“ reagieren, so der Minister. An den Grundschulen sollen die Kinder künftig individuell gefördert werden.

Für jedes Kind sollen der Entwicklungsstand ermittelt und daraus pädagogische Maßnahmen abgeleitet werden. Die neue Grundschulordnung will dafür mehr Gestaltungsspielraum schaffen. Vorgesehen sind darin auch präventive Förderung und die Förderung von besonders begabten Schülern.

An den Förderschulen werden dagegen bald neue Namensschilder angeschraubt. So soll es keine „Schule für geistig Behinderte“ mehr geben, sondern eine „Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“. Die alten Bezeichnungen seien als diskriminierend empfunden worden, erklärte Piwarz. An den Oberschulen gibt es mit dem neuen Schuljahr erstmals sogenannten lernzieldifferenten Unterricht. Der wird danach ausgerichtet, welchen Abschluss die Schüler anstreben.

Um die berufliche Orientierung zu stärken, schickt das Kultusministerium 160 Praxisberater an die Oberschulen. 150 Einrichtungen können davon profitieren.

An den Gymnasien gibt es das Fach Informatik nun durchgehend von der 7. bis zur 10. Klasse – statt vorher nur in der 9. und 10. Sachsen will damit die Medienkompetenz der Schüler stärken.

Außerdem können Gymnasien entsprechend ihrer Unterrichtsschwerpunkte eigene Profile schärfen. Die neue Schulordnung für die beruflichen Gymnasien will mehr Abgänger für eine Berufsausbildung, statt Studium begeistern. Damit können Schüler dort neuerdings während der Schulzeit eine duale Ausbildung absolvieren.

Diese sogenannte Duale Berufsausbildung mit Abitur (Dubas) lief bisher nur als Versuch. Sie wird nun als doppelqualifizierender Bildungsgang in den regulären Schulbetrieb übernommen.