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| 18:45 Uhr

Sachsen
Milch, Kaffee und Kartoffeln für Kubschütz

Kleine Dörfer mit nur wenigen Einwohnern – Kerstin Schäfer und Thomas Schubert sind dort mit dem Pastoralbus unterwegs.
Kleine Dörfer mit nur wenigen Einwohnern – Kerstin Schäfer und Thomas Schubert sind dort mit dem Pastoralbus unterwegs. FOTO: Patrick Kleibold
Bautzen. Bautzens katholische Pfarrgemeinde fährt mit einem mobilen Dorftreff über Land – Einwohner zwischen Freude und Misstrauen.

Es gibt Kühlschränke, eine Kaffeemaschine, einen Tisch. Der Kleintransporter der katholischen Pfarrgemeinde Bautzen ist eine Spezialanfertigung, wie es sie kein zweites Mal in Deutschland gibt. An fünf Tagen pro Woche, immer ab neun Uhr in der Früh, fährt er in Ostsachsen über das Land.

„Zu unserer Pfarrgemeinde gehören 89 Dörfer“, sagt Kerstin Schäfer, die zusammen mit Kraftfahrer Thomas Schubert mit dem „Pastoralbus“ genannten Fahrzeug übers Land fährt. Es sind Orte wie Baschütz, Kubschütz oder Canitz-Christina. Kleine Dörfer mit wenigen Einwohnern. „Fast überall gibt es keine Gaststätte mehr, keine Einkaufsmöglichkeiten, und die Menschen werden älter.“ Zu DDR-Zeiten habe es in vielen Dörfern eine enge Dorfgemeinschaft gegeben. Heute sei mehr „jeder für sich“ unterwegs, die Menschen vereinsamten.

Die Katholiken wollen mit ihrem Fahrzeug deswegen eine Art „mobilen Dorftreff“ anbieten. Man hält vor Feuerwehrhäusern oder an Bushaltestellen, macht den Wagen auf und schaut, wer kommt.

„In einem Dorf gibt es zum Beispiel eine Frau, die einen Schlaganfall hatte“, sagt Schäfer. „Der Mann ist auf Montage, die Tochter macht eine Ausbildung.“ Für die ältere Dame übernehmen Schäfer und Schubert mittlerweile die Einkäufe, bringen Milch, Kaffee oder auch Kartoffeln aus der Stadt aufs Land. Und natürlich wird am Bus auch Kaffee getrunken, viel Kaffee, man ist ja in Sachsen.

Warum die Kirchengemeinde den Menschen so ein Angebot macht? „Wir wollen mit den Leuten vor Ort in Kontakt kommen“, sagt Schäfer. „Wir machen nicht nur Sozialarbeit, wir informieren auch über die Angebote unserer Pfarrgemeinde.“

Im Bus gibt es zum Beispiel auch Trauer- oder Glückwunschkarten, die die Menschen verschicken können, wenn es irgendwo in den verstreut lebenden Familien einen entsprechenden Anlass gab. „Aber manchmal werden wir auch gefragt, wie man eigentlich betet, oder was das ist – ein Rosenkranz.“ Dann freuen sich die Mitarbeiter des „Pastoralbusses“, denn natürlich wollen sie mit den Menschen nicht nur über das Wetter oder die Fußballergebnisse, sondern auch über ihren Glauben ins Gespräch kommen.

Allerdings möchte nicht jeder von der katholischen Kirche besucht werden. „Es gibt Menschen, die trauen sich nicht, zum Auto zu kommen“, sagt das Pfarrgemeinderatsmitglied Andreas Rentsch. „Die Leute sind misstrauisch“, beobachtet Thomas Schubert. 40 Jahre DDR hätten eben bis heute ihre Spuren hinterlassen.

Finanziert wird das Angebot des Pastoralbusses vom Paderborner Bonifatiuswerk in Westfalen: Das Hilfswerk ist das „Diaspora-Hilfswerk“ der katholischen Kirche und soll katholische Kirchengemeinden überall dort unterstützen, wo sie in der Minderheit sind. Kommunale oder staatliche Zuschüsse gibt es dagegen nicht – auch wenn solche Angebote eigentlich ein Stück gelebter Daseinsvorsorge sind. Denn irgendwie müssen ja Menschen eine Gelegenheit haben, ihre Einkäufe zu erledigen.