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| 07:16 Uhr

Sorbische Traditionen
Bautzen lockt zum Osterfest

Sorbische Osterreiter in Frack und Zylinder verkünden die Auferstehung Christi.
Sorbische Osterreiter in Frack und Zylinder verkünden die Auferstehung Christi. FOTO: Oliver Killig / dpa
Bautzen . Die sorbischen Bräuche ziehen Tausende Touristen am Wochenende wieder nach Bautzen. Dabei setzen die Touristiker aber nicht nur auf Traditionelles.

Bautzen wird wieder zur Osterstadt. Wie der Tourismusvereinsvorsitzende Dietmar Stange sagte, werden am Osterwochenende schätzungsweise 40 000 Gäste in der Stadt erwartet: „Ostern ist aus touristischer Sicht der Höhepunkt des Jahres.“ Besonders die sorbisch-katholische Osterprozessionen am Sonntag locken zahlreiche Tagestouristen in die Stadt. Um die Gäste länger als einen Tag an der Spree zu halten, gibt es ein umfangreiches Programm für Oster-Liebhaber genauso wie für Rolling-Stones-Fans.

Erster Anlaufpunkt für viele Touristen ist in diesem Tagen die Tourist-Information. Wie deren Leiterin Manuela Böhm sagte, müssten ihre Kollegen inzwischen Übernachtungswünsche in das Umland verweisen. Alle Hotels und Pensionen seien ausgebucht. „Ansonsten haben wir uns unter anderem mit zusätzlichen Stadtführungen auf das Wochenende vorbereitet“, sagte sie. So wird zum Beispiel am Karfreitag eine Tatort-Tour erklären, wo früher der Galgen in Bautzen stand, wie eine rachsüchtige Ehefrau ihren untreuen Ehemann ermordete oder warum es heute keine zänkischen Weiber mehr gibt.

Auch eine der größten privaten Rolling-Stones-Sammlungen Deutschlands kann an diesem Tag wie auch am Ostersonntag besichtigt werden. Die Ausstellung im Stones-Pavillion zeigt unzählige Exponate rund um die legendäre Band von Mick Jagger, darunter die alten Schuhen von Keith Richard - sie öffnet nur bei Führungen und zu besonderen Anlässen. Wer auf den Spuren seiner Idole wandeln will, muss sich in der Tourist-Information melden.

Mit großem Zuspruch rechnet Böhm auch bei dem täglichen Angebot, Ostereier mit sorbischen Maltechniken zu verzieren. Im Sorbischen Museum auf der Ortenburg kann Volkskünstlern über die Schulter geschaut werden, wie aus einem Ei ein kleines Kunstwerk wird.

Neben einer Modenschau mit sorbischen Trachten und Frühlingsliedersingen auf dem Hauptmarkt ist ein weiterer Anziehungspunkt am Karsamstag das Osterblasen auf dem Protschenberg. Über 100 Bläser aus den Posaunenchören der Kirchgemeinden in und um Bautzen stimmen um 18.00 Uhr unter dem Glockengeläut des Doms St. Petri die klingende Botschaft „Der Herr ist auferstanden“ an. Den Chorälen und Frühlingsliedern lauschen Jahr für Jahr Tausende Bautzener und ihre Gäste. Ins Leben gerufen wurde die Tradition 1927.

Der Protschenberg ist auch am Ostersonntag Mittelpunkt eines großen Volks- und Kinderfestes. Nach dem Auszug der Bautzener Osterreiterprozession wird dort das sogenannte Eierschieben eröffnet. Der Brauch wird in der Stadt erstmals 1830 erwähnt. Wohlhabende Bürger rollten hartgekochte Eier, Äpfel, Nüsse, Apfelsinen, Gebäck und Süßigkeiten vom Berg ins Spreetal hinab. Dort fingen die Kinder die Gaben auf. In der DDR schlief die Tradition ein, 2001 wurde sie nach 39-jähriger Pause wiederbelebt. Bei dem Spektakel kullern heute Plastikbälle ins Tal, die gegen kleine Preise eingetauscht werden können.

Nur wenige Schritte weiter lädt die Hammermühle – Bautzens letzte Mühle im Betrieb – zum Frühlingsfest ein. An der Mönchskirchruine in der Altstadt gibt es ein kleines mittelalterliches Treiben mit dem Laienschauspiel-Ensemble „Budissiner Marktgesinde“. Dort wird auch ein Osterreiter außer Dienst erzählen, was für ihn das Osterfest bedeutet. „Ich denke, es ist für jeden Geschmack etwas dabei – in der Osterstadt Bautzen“, sagt Tourismuschef Stange.

(dpa)