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Aufwind für "Versteckte Perlen"

Der Turm des Domes St. Petri in Bautzen steht am Ende einer sanierten, geschmückten Hausfassade.
Der Turm des Domes St. Petri in Bautzen steht am Ende einer sanierten, geschmückten Hausfassade. FOTO: dpa
Dresden. Lebensqualität fernab der Metropolen: Attraktive Mittelstädte in Sachsen sind Alternativen zum Großstadtleben. Dass das so bleibt, ist kein Selbstläufer, sagt der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger. Simona Block / dpa/pb

Der hat für Montag zum Thementag nach Bautzen geladen, um die "versteckten Perlen" zu polieren. "Wir wollen, dass Landkreise und Städte zur Kenntnis nehmen, dass wir bis auf wenige Ausnahmen schrumpfen." Das müsse gestaltet werden. Nicht nur die Wohnungswirtschaft habe ein vitales Interesse daran, dass die vorhandene Lebensqualität zumindest erhalten wird.

Die VSWG will deshalb eine politische Diskussion anregen, wie der 2016 in einer "Schwarmstudie" festgestellten Umverteilung der Bevölkerung entgegengewirkt werden kann. Sie sieht Potenzial in elf "versteckten Perlen": Bautzen, Bischofswerda, Borna, Delitzsch, Döbeln, Eilenburg, Hohenstein-Ernstthal, Markranstädt, Mittweida und Stollberg (Erzgebirge). "Sie verlieren zwar an die großen Städte, ziehen aber Menschen aus der ländlichen Umgebung an", sagt Viehweger.

Damit diese "versteckten Perlen" auch sichtbar werden, brauche es ein Zusammengehen von verschiedenen Netzwerken, erklärt Axel Viehweger. Das betreffe die technische Infrastruktur ebenso wie den Öffentlichen Nahverkehr, Wohnungsbau, Soziales, Kultur oder Sport. "Sie können zu Ankerstädten in von Abwanderung und Überalterung gezeichneten Regionen werden."

Wenn klar sei, wie die Menschen aus den Dörfern dorthin kämen, könnten sie am Leben erhalten werden. Dazu brauche es aber Geld. "Das soll nicht in die großen Städte fließen, sondern in die Mittelstädte, die schrumpfen."

Laut Viehweger befinden sich zwei Drittel der insgesamt rund 280 000 Genossenschaftswohnungen in Sachsen im ländlichen Raum. "Rund 600 000 Menschen wollen auch dort bleiben, deshalb möchten wir, dass die Städte lebenswert bleiben und funktionieren." Dafür holt Viehweger den Städte- und Gemeindetag, Ministerien, Landkreistag, aber auch Landesärztekammer, Verkehrsexperten, Oberbürgermeister, Landräte und Abgeordnete an einen Tisch.

"Es gibt einen Trend bei jungen Leuten und Familien, dass das Wohnen in einer attraktiven Stadt, die Lebensqualität, wichtiger sind als der Arbeitsplatz", begründete VSWG-Vorstand Viehweger die Notwendigkeit zu handeln. "Man pendelt wieder zur Arbeit und nimmt lieber Wege in Kauf." Das sei eine Chance für die Mittelstädte wie Döbeln, wo Wohnen und Anderes viel günstiger ist als in den Großstädten. Die Kommunen müssten sich um belebte Zentren - Geschäfte, Freizeitmöglichkeiten, Kultur -, den passenden Verkehr, medizinische Angebote und Schulen kümmern. "Wenn das Gymnasium weggeht, gehen auch die Ärzte."