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Politik
Auf den Spuren des NSU: Junge Leute starten Geschichtswerkstatt

Die Jugendlichen haben sich als Ort  für den Start ihres Projektes den Gerichtssaal in München ausgesucht, wo sich die Aufarbeitung der Verbrechen des NSU-Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhard und Beate Zschäpe dem Ende zuneigt.
Die Jugendlichen haben sich als Ort für den Start ihres Projektes den Gerichtssaal in München ausgesucht, wo sich die Aufarbeitung der Verbrechen des NSU-Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhard und Beate Zschäpe dem Ende zuneigt. FOTO: Peter Kneffel / dpa
Zwickau/München. Aufarbeiten statt unter den Teppich kehren: Jugendliche aus Zwickau wollen sich mit den Verbrechen des NSU in ihrer Heimatstadt beschäftigen. Das Projekt startet in München. dpa

Im Sitzungssaal 101 des Münchner Oberlandesgerichts beginnt diese Woche ein Projekt zur Aufarbeitung der Zwickauer Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Auf der Zuschauertribüne und wahrscheinlich unbemerkt von den vielen Prozessbeteiligten. Denn mit einem Besuch des NSU-Prozesses am Dienstag begeben sich rund 30 Zwickauer Jugendliche auf die Suche nach Spuren des mutmaßlichen NSU-Terrortrios.

Da sich die juristische Aufarbeitung der angeklagten Taten von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe dem Ende zuneige, habe man sich für den Projektstart im Gerichtssaal entschieden, sagte dessen Leiter Matthias Bley.

Die NSU-Geschichtswerkstatt wolle sich insbesondere Ereignissen, Orten und Personen rund um die Verbrechen des Trios in der Region Zwickau widmen. So sei angedacht, mit ehemaligen Nachbarn der mutmaßlichen Rechtsterroristen ins Gespräch zu kommen oder auch Zeitzeugen – beispielsweise zum Zwickauer Banküberfall des NSU - zu befragen.

Neben dem Besuch des Prozesses werden sich die Jugendlichen zu Beginn in München unter anderem mit einer Opferanwältin treffen und den Tatort des Mordes an Theodoros Boulgarides – dem siebten Opfer – besuchen. Insgesamt soll die Bildungsreise drei Tage dauern.

Mit dem zeitlich unbefristeten Projekt wird laut Bley eine Dokumentation entstehen. In welcher Form die Aufarbeitung am Ende präsentiert wird - etwa als multimediale Dokumentation oder Ausstellung – sei noch völlig offen und werde bewusst der Kreativität der jungen Leute im Alter zwischen 15 und 27 Jahren überlassen. Dem NSU werden zehn Morde an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an einer Polizistin im Zeitraum von 2000 bis 2007 zugerechnet. Neben dem soziokulturellen Zentrum „Alter Gasometer“ als Träger des Projekts beteiligt sich unter anderen das Kulturbüro Sachsen. Die NSU-Geschichtswerkstatt wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie und Jugend sowie aus Mitteln des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen“ gefördert.