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Auch nobel

Post aus Dresden. Bob Dylan kriegt den Literaturnobelpreis und keinen wundert's. Seine Songs sollen gut sein, da sind sich jedenfalls die feinsinnigeren Teile der Bevölkerung einig. ckz1

Aber ehrlich, die wenigsten dürften Dylans Texte wirklich verstehen. Nicht nur, weil der Mann nuschelt. Es ist auch schwer zu verstehen, was er eigentlich meint. Fans sollen sogar seinen Müll durchwühlt haben, um dahinter zu kommen. Wer aber "sich jemals den Texten hinter der knarzigen Stimme gewidmet hat", wie der SPD-Vizevorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagt, ja und darf sich als Eingeweihter fühlen. Schäfer-Gümbel hat das anscheinend getan. Bienchen! Ob Literatur auch als Lied geht, die Debatte ist ja nicht neu. Walther von der Vogelweide saß mit der Klampfe auf dem Stein, Homer saß mit der Leier vor popelnden Straßenkindern, Dylan steht in der Mehrzweckhalle - alle drei Liedermacher.

Und doch: Dylans Nobelpreis eröffnet neue literarische Möglichkeiten auch für profane Darstellungsformen. Wie die Landtagsrede. Lässig-gekonnten Umgang mit Sprache gibt es auch da. Suchen wir mal was zusammen: "Das goldene Kalb der schwarzen Null" (Mystisches von Rico Gebhardt, Sachsens Linken-Chef), "Unglaublich, es war die Psychologin, nicht der Gärtner!!!" (Krimi von Dirk Panter, CDU-Fraktionschef). Oder: "Die Bundeswehr ist ein Breithandschwert und kein Skalpell" von Christian Hartmann, CDU, ist wohl irgendwas zwischen Arztroman und Ritterschinken. Was genau ein Breithandschwert sein soll, verstehen nur Fans von Charlton Heston. Er bekam den Nobelpreis nie.