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Arm, aber glücklich

Auch Deutschkurse sind bei Neu-Leipzigern gefragt.
Auch Deutschkurse sind bei Neu-Leipzigern gefragt. FOTO: dpa
Leipzig. Leipzig hat Hunderte Migranten zu ihrem Leben gefragt. Verblüffend: Die Zuzügler aus dem Ausland verdienen viel weniger als der Rest – sind aber viel zufriedener. Christine Keilholz / ckz1

Zuerst zum Geld: Die Migranten in der Messestadt verdienen im Schnitt knapp 900 Euro netto. Das liegt deutlich unter dem Schnitt der Gesamtstadt von 1300 Euro. Der Einkommensunterschied erklärt sich aus dem Bildungsunterschied. Das Bildungsniveau der Befragten liegt deutlich über dem Durchschnittsniveau in ihren Herkunftsländern, so lautet ein zentraler Befund einer groß angelegten Migrantenbefragung. Im Sommer 2015 hat das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen dafür an die 2000 zufällig ausgewählte Bürger befragt, die einen Migrationshintergrund haben. Das sind inzwischen fast 13 Prozent der Leipziger, die aus dem Ausland zugezogen sind - oder ihre Eltern. Die Halbmillionenstadt wächst und wird auch internationaler", sagte Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning bei der Präsentation der Umfrage am Dienstag.

Demnach ist die Arbeitslosigkeit unter den Migranten auffällig hoch. 13 Prozent haben keinen Job - das liegt deutlich über der Arbeitslosenquote in der Stadt von derzeit 9,7 Prozent. Die größten Probleme bei der Arbeitsuche sind die fehlenden Sprachkenntnisse und die Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Dabei haben viele einen Hochschulabschluss. Im Vergleich zur Leipziger Gesamtbevölkerung ist der Anteil an Akademikern mit fast 50 Prozent doppelt so hoch. Ebenfalls doppelt so hoch ist der Anteil der Unqualifizierten, sie machen fast 30 Prozent der Migranten aus.

Trotzdem sind die allermeisten zufrieden mit ihrem Leben in der Stadt. Rund 80 Prozent gaben der Lebensqualität in Leipzig gute Noten. Damit sind die Migranten im Schnitt zufriedener und optimistischer als die Stamm-Leipziger - und das durch alle Altersgruppen. Vielleicht liegt es an der Liebe. Etwa zwei Drittel aller Befragten leben mit einem Partner. 38 Prozent von ihnen haben einen einheimischen Partner. Das ist überdurchschnittlich in einer Stadt mit 60 Prozent Single-Haushalten.

Von den 73 000 Migranten in Leipzig kommen die meisten aus der Russischen Föderation, gefolgt von Syrien, Polen, der Ukraine und Vietnam.

Für die Befragung hat das Amt die Migranten der Stadt in fünf Stichprobengruppen sortiert - je nach Herkunft Osteuropa, Naher Osten, Asien, Südeuropa und Westeuropa nebst USA. Dazu wurden Fachleute für 16 Fremdsprachen angeheuert, die mit den 2000 zufällig ausgewählten Kandidaten Interviews führen sollten.

Die Migranten in Leipzig sind demnach recht gut integriert. 96 Prozent sind nicht in Deutschland geboren - unter den Osteuropäern sogar 99 Prozent. Für jeden Vierten ist Leipzig der erste Wohnstandort in Deutschland. Ein Drittel spricht zu Hause deutsch - meist sind das die mit einem deutschen Partner. Trotzdem haben 94 Prozent deutsche Bekannte und Freunde.

Über Benachteiligungen klagt laut Bürgermeister Hörning nur eine Minderheit - am häufigsten bei der Arbeitsuche.