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| 08:01 Uhr

Hochwasserschutztag in Sachsen
Anwohner werden bei Überschwemmungen künftig stärker gefordert

Von Hochwasser beschädigter Hausrat liegt vor Wohnhäusern in der Nähe der Weißen Elster im vogtländischen Adorf. Starker Regen hatte im Mai zu Überschwemmungen in Sachsen geführt.
Von Hochwasser beschädigter Hausrat liegt vor Wohnhäusern in der Nähe der Weißen Elster im vogtländischen Adorf. Starker Regen hatte im Mai zu Überschwemmungen in Sachsen geführt. FOTO: dpa / Sebastian Willnow
Adorf/ Bad Schandau. Experten erwarten mehr örtliche Überschwemmungen. Während die kürzlich betroffenen vogtländischen Kommunen ihre Schäden dokumentieren, sieht das Land Anwohner stärker in der Pflicht.

Sturzbäche strömen über die Straßen, Keller füllen sich mit Schlamm und Wasser, Anwohner stehen ratlos daneben: Der erste Sächsische Hochwasserschutztag am Samstag in Bad Schandau (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) könnte kaum aktueller sein. Nach den Überschwemmungen in den vergangenen Wochen in mehreren sächsischen Kommunen wird nun das Ausmaß sichtbar.

Allein im vogtländischen Adorf mit seinen 5000 Einwohnern soll die gesamte Schadenssumme nach ersten Schätzungen weit über zwei Millionen Euro liegen, hieß es diese Woche aus dem dortigen Rathaus. „Da wir gleich zweimal betroffen waren, mussten wir auch zweimal von vorn beginnen“, erklärte Bauamtsleiter Mario Beine.

Ursprünglich gedacht war der Hochwasserschutztag als informierende Veranstaltung für die Bürger, fünf Jahre nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2013, erklärt das Sächsische Umweltministerium als Veranstalter. Gleichzeitig solle die Bevölkerung für die private Hochwasservorsorge sensibilisiert werden. Durch die Prognosen der Klimaforscher gehe man davon aus, dass Starkregen-Ereignisse zunehmen.

„Besonders lokale Überschwemmungen mit hohem Schaden treten in den letzten Jahrzehnten gehäuft auf“, sagte Sprecher Frank Meyer. Immer wichtiger werde der private Versicherungsschutz. „Niemand kann sich darauf verlassen, dass es nach einem Hochwasser immer ein Hilfsprogramm von staatlicher Seite gibt.“

Der Hochwasserschutztag will auch praktisches Wissen vermitteln: Teure Technik sollte besser nicht mehr im Keller untergebracht werden, sondern in die oberen Etagen wandern, dies gelte auch für die Heizung. Bad Schandau als erster Austragungsort des Tages sei bewusst gewählt: „Dort muss man mit der Unsicherheit der Elbe leben, absoluten Schutz gibt es nicht überall.“

Seit 2002 habe Sachsen 2,6 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert, bis 2023 folgen weitere 630 Millionen. Im vogtländischen Adorf allerdings hoffen Betroffene und Stadtverwaltung auf Unterstützung. „Nicht jeder Anwohner bekommt eine Versicherung, und einige können sich diese nicht leisten“, bemerkt Hauptamtsleiter Beine.

Für Naturschützer bleibt die Bebauung von Auenland nach wie vor ein Problem: „Dass sich ein Bach oder Fluss bei Hochwasser verbreitert, bleibt aus Sicht der Ökologie eine natürliche Dynamik“, erklärte Thomas Findeis von der Naturschutzbehörde des Vogtlandkreises.

Entwarnung gibt es für die Flussperlmuschel, die vom Aussterben bedroht ist und für deren Rettung seit 2015 das Verbundprojekt ArKoNaVera läuft. Dabei sind unter anderem der Vogtlandkreis und die TU Dresden an der Auswilderung nachgezüchteter Jungmuscheln beteiligt, die in sechs Gewässern im Einzugsgebiet der Weißen Elster eingesetzt wurden - dem Schwerpunkt-Gebiet des Vogtland-Hochwassers.

„Es gab weniger Verluste als gedacht“, bestätigt Findeis nach den ersten Untersuchungen. Bisher fehle nur eine von 47 Kiesboxen, die mit Eisenstangen im Bachgrund befestigt wurden: „Einige schwammen weg, wurden aber wiedergefunden. Sonst werden sie von Sedimenten überschüttet und ersticken.“ Ein periodisches Hochwasser sei sogar gut, um die Bäche von den feinen Sedimenten zu reinigen, die von den Äckern eingespült werden. Durch die sinke der Sauerstoff-Gehalt der Bäche, was als Hauptursache für das Aussterben der Flussperlmuschel gilt.

Projekt-Mitarbeiter Felix Grunicke von der TU Dresden erklärt: In den letzten Jahren wurden neben den Kiesboxen rund 2000 Jungmuscheln direkt ausgewildert. Rund ein Drittel überlebte bisher. Grunicke: „Das ist gut, auch die physikalischen Kräfte des Hochwassers konnten ihnen nichts anhaben.“ In einigen Bächen sei die 200-fache Wassermenge hindurch geflossen.

(dpa)