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| 02:40 Uhr

Anti-Terror-Kampf: IS-Verdacht in Chemnitz

Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos des Landeskriminalamtes Sachsen mit Schutzmasken und Maschinenpistolen am Montag im Einsatz vor einem Mehrfamilienhaus in Chemnitz.
Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos des Landeskriminalamtes Sachsen mit Schutzmasken und Maschinenpistolen am Montag im Einsatz vor einem Mehrfamilienhaus in Chemnitz. FOTO: dpa
Chemnitz. Wenn Polizei-Spezialkräfte in voller Montur anrücken, scheint Gefahr im Verzug. In Chemnitz ist erneut ein Mann ins Visier der Ermittler geraten. Er soll Geld an den IS übermittelt haben. Einen Zusammenhang zum Fall Al-Bakr gibt es nicht. dpa/uf

Bei einem neuerlichen Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz hat sich ein Sprengstoffverdacht nach Angaben der Bundesanwaltschaft nicht bestätigt. Wie die Behörde am Dienstag in Karlsruhe mitteilte, gab es zuvor Anhaltspunkte, dass der Verdächtige Sprengstoff besitzen könnte.

Ein Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamtes Sachsen durchsuchte deshalb mehrere Wohnungen. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt, Festnahmen habe es nicht gegeben, hieß es aus Karlsruhe.

Der Bundesanwaltschaft zufolge besteht auch der Verdacht, dass der Beschuldigte Geld an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) übermittelt hat. Er wird zudem verdächtigt, selbst IS-Mitglied zu sein. Auch soll er an Schleusungen beteiligt gewesen sein. Die sächsischen Sicherheitsbehörden gaben mit Verweis auf die Zuständigkeit von Karlsruhe keine Informationen.

Ein Zusammenhang mit dem Terrorfall Dschaber al-Bakr vom vergangenen Oktober besteht nach Angaben der Bundesanwaltschaft nicht. Damals scheiterte die Festnahme des 22-jährigen Syrers. In seiner Wohnung fand die Polizei einen hochexplosiven Sprengstoff, mit dem Al-Bakr nach Erkenntnissen der Ermittler einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen verüben wollte. Der mutmaßliche IS-Terrorist floh trotz Großfahndung nach Leipzig, wo er von Landsleuten überwältigt und der Polizei übergeben wurde. Zwei Tage später erhängte er sich in Untersuchungshaft. Über den neuerlichen Einsatz hatten am Montagabend mehrere Medien berichtet. Demnach waren zunächst im Stadtteil Gablenz Polizisten mit Schutzmasken und Maschinenpistolen in ein Wohnhaus gestürmt. Auch ein spezielles Fahrzeug zur Terrorabwehr und ein Sprengstoff-Suchhund sollen zum Einsatz gekommen sein.

Anschließend gab es einen weiteren Einsatz in der Plattenbausiedlung Fritz-Heckert-Gebiet. Anwohner berichteten, dass die Polizei gemeinsam mit einem Tatverdächtigen auf der Paul-Bertz-Straße erschien, um die dortige Wohnung des Mannes zu durchsuchen. Das habe bis etwa 22 Uhr gedauert. Am Dienstag erinnerte nichts mehr an den Einsatz vom Vorabend. Die betroffenen Häuser waren nicht abgesperrt.

Zum Thema:
Der Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz am Montagabend ist dort der zweite innerhalb von vier Monaten gewesen. Wegen der missglückten Festnahme des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr war die Stadt bereits in den Schlagzeilen. Der 22-jährige Syrer hatte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant. Ein Spezialeinsatzkommando wollte ihn am 8. Oktober 2016 im Chemnitzer Fritz-Heckert-Viertel festnehmen - Al-Bakr gelang aber trotz eines Warnschusses die Flucht. Die Bundesanwaltschaft zog daraufhin die Ermittlungen an sich. Der Terrorverdächtige konnte unerkannt nach Leipzig gelangen. Auf der Suche nach einem Schlafplatz kam er bei einem Landsmann unter, der ihn aber erkannte, mit Freunden überwältigte und die Polizei verständigte. Al-Bakr wurde am 10. Oktober wegen Terrorverdachts verhaftet. Zwei Tage später erhängte er sich in der Zelle. Experten stellten in ihrem Untersuchungsbericht Ende Januar eine "ganze Reihe Fehler und Regelverletzungen" der sächsischen Behörden fest. Diese seien teils "auf erhebliche Anspannung in einer brisanten Lage" und auf eine "offenkundig erhebliche Verunsicherung des Personals in Polizei und Justiz im Umgang mit islamistischen Gewalttätern" zurückzuführen, hieß es.