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| 01:30 Uhr

André Tienelt ist Sachsens jüngster Sterne-Koch

Der Spitzenkoch präsentiert eine Vorspeise. Foto: ddp
Der Spitzenkoch präsentiert eine Vorspeise. Foto: ddp FOTO: ddp
Bad Schandau. Noch während seiner Kochlehre wollte André Tienelt eigentlich lieber Automechaniker werden. Sülze, Schnitzel, Schweinebraten – die rustikale Küche in dem kleinen Landgasthof in Cunnersdorf war nicht nach seinem Geschmack. Von Romy Richter

Doch Tienelt hat seine Ausbildung beendet, ist weitergezogen und hat schließlich die gehobene Küche für sich entdeckt. Mit 28 Jahren ist der Küchenchef im Restaurant Sendig in Bad Schandau (Osterzgebirge) nun Sachsens jüngster Sterne-Koch geworden. Nicht nur seine bunte Vorspeisenkreation aus Gelbschwanzmakrelen, gelierter Gazpacho und Gurken eis hat nichts mehr mit der rustikalen Küche seiner Ausbildungszeit gemein. Mit einem Stern des traditionsreichen Restaurantführers Michelin werden Betriebe mit sehr guter Küche ausgezeichnet. Dass das immer teuer sein muss, ist laut Tienelt eher ein Vorurteil. Die Preise für ein Vier- bis Sechs-Gänge-Menü in seinem Restaurant Sendig variieren zwischen 70 und 89 Euro. Eine Vorspeise kann aber auch mal um die 20 Euro kosten. Und schließlich geht es nicht nur ums Sattwerden in einem guten Restaurant, so Tienelt, sondern um einen schönen Abend und um Genuss. Tienelt legt besonderen Wert auf natürliche Produkte. Eier, Fleisch und Milch beziehe er hauptsächlich aus der Region. Aber auch Gänsestopfleber, die importiert werden muss, bietet er an. "Das wollen viele Gäste einfach." Beim Blick auf die Karte springen den Gast zumindest keine lyrischen Beschreibungen eines Gerichts an. Tienelt mag keine "Riesenromane" auf der Karte, wie er sagt. "Die Teller sollen für sich sprechen, nicht die Karte." Im Restaurant Sendig, dass sich im Hotel Elbresidenz Bad Schandau befindet, arbeitet Tienelt seit Juli 2007. Zuvor kochte er unter anderem im Kempinski Hotel Taschenbergpalais in Dresden, im Gourmetrestaurant Mario Pattis in Dresden, im Restaurant GrauGans in Köln. Ganz prägend sei für ihn die Arbeit bei Dieter Müller, einem von neun Drei-Sterne-Köchen in Deutschland, in Bergisch Gladbach gewesen, sagt Tienelt. Da sei nichts dem Zufall überlassen worden, und mitunter ein bis zwei Tage an einer Soße "herumgedoktert" worden. Sachsen steht mit fünf Sterne-Köchen gastronomisch betrachtet in Ostdeutschland gut da. Neben Tienelt gibt es zwei Sterne-Köche in Dresden sowie zwei in Leipzig, einer davon ist Ostdeutschlands einziger Zwei-Sterne-Koch Peter Maria Schnurr. Die mitteldeutschen Nachbarländer, Thüringen und Sachsen-Anhalt, sind mit jeweils nur einem Sterne-Koch weniger gut ausgestattet. Bundesweit gibt es etwa 200 Köche, die vom Guide Michelin mit mindestens einem Stern ausgezeichnet wurden.