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| 16:10 Uhr

Ostalgie
Gold-Bob und Plaste-Eierbecher

Der Bob, mit dem Meinhard Nehmer 1980 Olympisches Gold   in Lake Placid für die DDR holte, in der Ausstellung „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“ .
Der Bob, mit dem Meinhard Nehmer 1980 Olympisches Gold in Lake Placid für die DDR holte, in der Ausstellung „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“ . FOTO: Niklas Tolkamp / dpa
Leipzig. „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“ in einer Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. dpa

Die Ausstellung „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“ ist derzeit im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig zu sehen: 300 Alltagsgegenstände vom Plaste-Eierbecher bis zum Simson-Moped und ein Bob zeigen Klassiker des DDR-Designs und dokumentieren die Arbeit ihrer Gestalter.

Der Bob des DDR-Olympiasiegers Meinhard Nehmer von 1980 ist ein Highlight der Ausstellung. Das Besondere: Das Modell war das erste, das in der DDR hergestellt wurde und zu Gold fuhr. Zuvor waren die DDR-Piloten mit importierten Bobs im Eiskanal unterwegs.

Wie der Schlitten wecken auch die anderen ausgestellten Alltagsgegenstände Erinnerungen an den Style der DDR: das Simson-Motorrad, das Mitropa-Geschirr, die bunten Plaste-Eierbecher oder die Schreibmaschine „Erika“. „Diejenigen, die in der DDR groß geworden sind, werden sich erinnern“, prophezeit Direktor Jürgen Reiche. Insgesamt können sich Besucher über 300 Originalobjekte in sechs verschiedenen Räumen anschauen. Der Anspruch der Gestalter, der politische Einfluss und die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätten das Aussehen der Gegenstände beeinflusst, sagt Reiche. In einem Raum der Ausstellung können Besucher die Arbeit der Gestalter nachverfolgen: von der Skizze über die Färbung bis hin zum Modell und zur Fertigung.

In der DDR wurde nicht von „Design“, sondern von „Formgestaltung“ gesprochen. Hintergrund: „Die Gegenstände sollten nach den Vorstellungen der DDR langlebig und funktional sein und nicht besonders modern aussehen“, erklärt Projektleiterin Dorothea Kraus. Die Herstellung und Verteilung industrieller Güter lief über die Volkseigenen Betriebe (VEB).

Von 1972 an steuerte und kontrollierte das „Amt für industrielle Formgestaltung“ das Design der DDR. Gestalter, die in Betrieben oder freiberuflich arbeiteten, berichten in der Ausstellung über ihren Arbeitsalltag zwischen eigenem Anspruch, Problemen in den Betrieben und politischem Druck.

In den 1970er-Jahren begann die DDR, für dringend benötigte Devisen wesentlich mehr Konsumgüter zu exportieren. Die Folge: Die heimische Bevölkerung hatte mit Versorgungsengpässen zu kämpfen, das Angebot war monoton. Auch der daraus resultierende Einfallsreichtum der DDR-Bürger wird dokumentiert: Aus einem Simson-Motor, einer Fahrradkette und einem Schubkarrenrad wurde kurzerhand eine Gartenfräse zusammengebaut. Überhaupt diente der Simson-Motor als Antrieb für unterschiedlichste Arbeitsgeräte.

Die Wechselausstellung ist bis Mitte Oktober zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Telefon: 03 41 – 22 200.

Boden lockern, mähen oder Schnee räumen konnte man mit dem Gartengerätesystem „E 930/931“.
Boden lockern, mähen oder Schnee räumen konnte man mit dem Gartengerätesystem „E 930/931“. FOTO: Niklas Tolkamp / dpa