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Al-Bakr-Experten nehmen ihre Arbeit auf

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat ein Staatsversagen im Fall des Selbstmords des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in Leipzig erneut zurückgewiesen. "Sachsen ist ein demokratisches Land", sagte er gestern. dpa/bl

Eine unabhängige Expertenkommission untersucht indes seit gestern den Fall Al-Bakr. Er erhoffe sich davon Schlussfolgerungen, um solche Situationen in Zukunft vermeiden zu können, sagte dazu Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Es müsse geprüft werden, ob alles, was vorgesehen war, auch eingehalten worden sei, sagte er.

Die Expertenkommission wurde von Sachsens Regierung beauftragt, alle Vorgänge zu beleuchten - von den ersten Informationen des Bundesamtes für Verfassungsschutz an Sachsens Polizei über die missglückte Festnahme bis zur Selbsttötung Al-Bakrs in der Justizvollzugsanstalt Leipzig. Ihren Abschlussbericht wollen sie noch vor Weihnachten vorlegen, erklärten die vier Experten gestern.

Herbert Landau: Der Jurist ist Vorsitzender der Kommission. Von 2005 bis Juli 2016 war er Richter am Bundesverfassungsgericht. Mitte bis Ende der 90er-Jahre war er als Bundesrichter im 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs tätig, danach wechselte das CDU-Mitglied als Staatssekretär ins hessische Justizministerium.

Katharina Bennefeld-Kersten: Die Psychologin leitete zehn Jahre lang die Justizvollzugsanstalt Celle-Salinenmoor. Bundesweit bekannt wurde sie, als sie sich 1996 bei einer Geiselnahme in der Haftanstalt im Austausch gegen eine Sozialarbeitern in die Hände eines verurteilten Mörders begab und von ihm vergewaltigt wurde. Von 2002 bis 2012 war sie Chefin des Kriminologischen Dienstes des Bildungsinstituts des niedersächsischen Justizvollzugs. Heute ist sie Leiterin der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug.

Heinz Fromm: Der Hesse stand bis 2012 als Präsident an der Spitze des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz. Zuvor war der Jurist als Staatssekretär im hessischen Innenministerium und später als Direktor des hessischen Verfassungsschutzes tätig. Im Sommer 2012 bat der Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes um seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand.

Jürgen Jakobs: Der Rheinländer war mehr als zehn Jahre ranghöchster Polizist in Brandenburg. Zunächst zwei Jahre kommissarisch im Amt, wurde er 2004 Polizeiinspekteur. Mitte der 90er-Jahre kam er aus Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete als Schutzbereichsleiter in Cottbus und Dahme-Spreewald. Später wechselte er in die Polizeiabteilung des Innenministeriums. Auch in Sachsen ist er kein Unbekannter: Dort war er als Mitglied der "Fachkommission Polizei 2020" an der Evaluierung des Polizei-Sach- und Personalbedarfs beteiligt.