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| 15:40 Uhr

Wegen Formfehler
AfD zur Landtagswahl in Sachsen nur mit 18 Kandidaten

FOTO: dpa / Alexander Prautzsch
Kamenz . Rückschlag für die AfD in Sachsen: Zur Landtagswahl am 1. September hat der Landeswahlausschuss nur den ersten Teil der Landesliste zugelassen – wegen eines Formfehlers.

Die AfD in Sachsen kann nur mit 18 statt wie geplant 61 Kandidaten zur Landtagswahl am 1. September antreten. Der Landeswahlausschuss in Kamenz hat am Freitag nur die ersten Plätze der Liste bestätigt, wie eine Sprecherin sagte.

Die Sitzung dauerte am frühen Nachmittag noch an. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist die restliche Liste ungültig, da ihre Aufstellung nicht in einer einheitlichen Versammlung erfolgte. Die AfD hatte bei einem ersten Listenparteitag Anfang Februar nur die Bewerber für die ersten 18 Plätze gewählt und dann im März die restlichen Kandidaten bestimmt – bei einem formal neuen Parteitag.

Die AfD will klagen

Die AfD wittert eine politische Strategie der Gegner. Landeschef Jörg Urban kündigte Klage gegen den Beschluss „vor einem ordentlichen Gericht“ an und Bundesvorsitzender Jörg Meuthen eine Erststimmenkampagne.

Die AfD hatte beim ersten Listenparteitag Anfang Februar nur die Bewerber für die ersten 18 Plätze gewählt und dann im März die restlichen Kandidaten bestimmt - bei einem formal neuen Parteitag. Der Landeswahlausschuss monierte nun, dass die Landesliste bei den beiden getrennten Parteitagen bestimmt wurde - statt in einer einheitlichen Versammlung. Er erklärte daher die Liste aus dem Februar mit 18 Namen für gültig, eine zweite aus dem März mit den 42 restlichen Kandidaten hingegen nicht.

Kopf-an-Kopf mit der CDU

Die AfD sprach von einem „durchsichtigen, juristisch nicht haltbaren Boykottverfahren“, um den stärksten politischen Mitbewerber strategisch zu schwächen. Landesvorsitzender Urban sah einen „Komplott der Vertreter der im Landtag sitzenden Altparteien“. Die AfD werde die Klage gewinnen und die stärkste politische Kraft in Sachsen werden. „Jetzt erst recht!“, gab sich Urban kämpferisch.

Die jüngste Wahlumfrage von Anfang Juli sah seine Partei bei 26 Prozent - Kopf an Kopf mit der CDU. Bei 120 Sitzen im Parlament entspräche dies rund 30 Abgeordneten.

Ausgleich über Direktmandate

Die Partei will den Verlust der Listenplätze nun mittels einer Erststimmenkampagne durch Direktmandate ausgleichen, sagte ihr Bundeschef Jörg Meuthen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). „Als Vorsitzender der AfD ist man einen gewissen Kummer dieser Art gewöhnt.“ Er gab sich zuversichtlich, dass die Partei „kreativ und findig genug“ sei, einen guten Ausweg zu finden.

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla sagte der dpa: „Ich rechne mit 30 Direktmandaten.“ Chrupalla, der dem Fraktionsvorstand der AfD angehört, hatte 2017 selbst ein Direktmandat in Görlitz errungen.

SPD und Grüne: Schwere Verfahrensfehler

„Die äußerst fehlerhafte Durchführung der Listenaufstellung durch die AfD ist ein Skandal“, sagte der Generalsekretär der SPD Sachsen, Henning Homann. Es könne der Eindruck entstehen, „dass die AfD gezielt versucht, das demokratische System zu destabilisieren.“ Aber auch für die AfD würden die Regeln der Verfassung gelten, die teilweise Streichung der Landesliste sei eine „zwingende Folge schwerer Verfahrensfehler“.

Die Sache sei lange und intensiv erörtert worden, sagte Grünen-Landesvorstandssprecher Norman Vogler. „Das ist keine politische, sondern eine rein nach Recht und Gesetz getroffene Entscheidung.“

Laut Vogler und Homann hat die AfD schwere Verfahrensfehler begangen und trägt allein die volle Verantwortung für die Entwicklung. „An Unerfahrenheit kann dieser Dilettantismus nicht liegen“, sagte Homann. „Wer es nicht einmal schafft, sich bei der Aufstellung der eigenen Liste an geltendes Recht zu halten, darf auch aus diesen Gründen nicht einmal in die Nähe von Macht in diesem Land kommen.“

(dpa/bob)