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AfD gewinnt drei Direktmandate in Sachsen

Karsten Hilse ist Direktkandidat der AfD für den Wahlkreis 156 (Bautzen I) für die Bundestagswahl 2017.
Karsten Hilse ist Direktkandidat der AfD für den Wahlkreis 156 (Bautzen I) für die Bundestagswahl 2017. FOTO: Sascha Klein (LR-MOB-RED-407)
Bautzen. Die Sensation ist perfekt. AfD-Direktkandidat Karsten Hilse aus Lohsa zieht in den Bundestag ein. Er gewann den Wahlkreis Bautzen I, nicht der einzige Rechtspopulist mit Direktmandat skl/bob/mit dpa

Der AfD-Kandidat hat sich gegen CDU-Kandidaten Roland Ermer durchgestezt. Das vorläufige Endergebnis: Hilse erreicht 33,2 Prozentpunkte, Ermer 30,6 Prozentpunkte. Das ist für die CDU ein ganz bitteres Ergebnis. Vor allem deshalb, weil die Christdemokraten auch bei den Zweitstimmen nichts zu lachen haben. Die AfD holt 32,8 Prozentpunkte der Zweitstimmen, gut 9000 Stimmen mehr als die CDU (27,1).

Hilse feierte in der Gaststätte Lusatia in Bautzen mit seinen Unterstützern. Um 23.10 Uhr stand das Ergebnis fest. "Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige für die CDU. Aber für uns kommt das so überraschend nicht", sagt Hilse der RUNDSCHAU. "Wir haben einen tollen Wahlkampf gemacht - mit 250 bis 300 Unterstützern." Dieses Ergebnis habe niemand so erwartet, so Hilse. Wohl auch sein CDU-Konkurrent nicht. "Herr Ermer war sich seiner Sache immer sehr sicher, wenn wir uns begegnet sind", betont Hilse. Jetzt hat der Bäckermeister aus Bernsdorf das Nachsehen und der Polizeibeamte Hilse aus Lohsa wird Bundestagsmitglied.

Tino Chrupalla, der 42-jährige Malermeister aus Gablenz, zieht ebenfalls in den Bundestag ein. Noch-Bundestagsmitglied Michael Kretschmer (CDU) muss eine schmerzhafte Niederlage hinnehmen. Er wird wohl aus dem Bundestag ausscheiden, denn: Er hat keinen Platz auf der Landesliste der CDU.

AfD-Chefin Frauke Petry hat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ebenfalls das erste Direktmandat für ihre Partei im Bundestag erobert. Die Landes- und Bundesvorsitzende setzte sich klar mit 37,4 Prozent der Erststimmen gegen den langjährigen CDU-Abgeordneten Klaus Brähmig (28,8) durch, wie die Landeswahlleitung am Sonntag in Kamenz mitteilte. Auch bei den Zweitstimmen lag die AfD in dem Wahlkreis mit 35,5 Prozent fast zehn Prozentpunkte vor der Union.

Politikwissenschaftler Tom Thieme von der TU Chemnitz war vom Ausmaß des AfD-Erfolges überrascht. Die AfD habe durch ihre parteinternen Streitigkeiten und Zerwürfnisse ein katastrophales Bild in der Öffentlichkeit abgegeben. "Normalerweise ist das für eine Partei der K.O.". Der Verdruss über die etablierten Parteien und die Flüchtlingspolitik sei aber so groß gewesen, dass der AfD dieses Erscheinungsbild nicht geschadet habe.

Die Niederlage der großen Koalition in Berlin stieß im Freistaat auf unterschiedliche Reaktionen. SPD-Landeschef Martin Dulig sprach von einem bitteren Tag. CDU-Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) sah trotz herber Verluste für die CDU die wichtigsten Wahlziele erreicht. Die Union werde auch künftig die Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel führen. Ein Bündnis mit FDP und Grünen sei dabei aber die schwerere Option. Tillich sprach sich dafür aus, die SPD nicht aus der Verantwortung zu entlassen. SPD-Parteichef Martin Schulz hatte eine Weiterführung der großen Koalition ausgeschlossen.