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| 19:33 Uhr

Sachsen
AfD-Funktionäre proben Aufstand

 Björn Höcke steht im Zentrum des AfD-Streits.
Björn Höcke steht im Zentrum des AfD-Streits. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Berlin. Mitglieder stellen sich gegen „Flügel“-Gründer Björn Höcke. Sie beklagen einen Personenkult. Von Dorothee Torebko

Der Richtungsstreit in der AfD hat sich drastisch verschärft: In einem Appell haben sich rund 100 Parteifunktionäre gegen den Rechtsaußen Björn Höcke gewandt. „Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei“, schrieben die Bundes- und Landespolitiker der Partei am Mittwoch in einem Aufruf. Der Thüringer AfD-Fraktionschef Höcke hatte am Wochenende beim „Kyffhäusertreffen“ auf den Bundesvorstand geschimpft. Doch nicht nur zwischen Bundesspitze und Höcke-Befürwortern brodelt es: Auch in den Landesverbänden von Bayern und Nordrhein-Westfalen sind heftige Konflikte entbrannt.

„Dieser Aufruf wundert mich nicht, denn die massive Kritik über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sind in der Partei sehr vernehmlich“, kommentierte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen. Höcke war beim „Kyffhäusertreffen“ am Samstag in einem pompösen Einmarsch mit Deutschland-Fahnen frenetisch bejubelt worden. In seiner Rede richtete er eine Kampfansage an die Adresse von Meuthen, Alexander Gauland und Alice Weidel: „Ich kann Euch garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird.“

Auf diese Attacken des Rechtsaußen reagierten nun 100 Parteifunktionäre, darunter der Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann, die Partei-Vize Albrecht Glaser und Georg Pazderski. Mit seiner Rede sei Höcke den Parteimitgliedern in den Rücken gefallen. Sie lehnten einen „Personenkult“ um den Thüringer ab. Keine Unterschrift gab es von Meuthen, Weidel und Gauland. „Den Appell habe ich nicht unterschrieben, weil ich ihn in Wahlkampfzeiten für ähnlich unangebracht halte“, sagte Gauland gegenüber der RUNDSCHAU. Beim „Kyffhäusertreffen“ hatte er zur Mäßigung aufgerufen, um erstens bürgerliche Wähler nicht zu verschrecken und zweitens ein Signal in Richtung Verfassungsschutz zu senden, der den „Flügel“ als Verdachtsfall einstuft.

In Bayern zeigten mehrere Landtagsabgeordnete der AfD-Fraktion ihre eigene Vorsitzende Katrin Ebner-Steiner an. Sie habe den privaten Mail-Verkehr von sieben Abgeordneten veröffentlicht. In Nordrhein-Westfalen soll der zerfallene Landesvorstand noch vor Oktober neu gewählt werden. Andernfalls werde der Restvorstand seines Amtes enthoben, teilte die Bundesspitze mit.