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| 01:04 Uhr

Ärztemangel betrifft jetzt auch Kliniken

Dresden.. Die Patienten vor allem in den ländlichen Gebieten Mitteldeutschlands müssen sich in den kommenden Jahren auf weite Wege zu ihrem Arzt gefasst machen. Der Mangel an Hausärzten werde immer gravierender, erklären die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV).

Vor allem aus finanziellen Gründen entschieden sich viele Jungmediziner gegen eine Praxis auf dem Dorf. In Sachsen ist nach Angaben der KV vor allem die Region Torgau-Oschatz betroffen. Dort wird zurzeit nur jede fünfte frei werdende Stelle besetzt.
Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, verweist darauf, dass Ärzte in den neuen Ländern rund 20 Prozent weniger verdienen als im Westen. Wer hart rechne, sei auch mit dem neuen sächsischen Programm zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung nicht zu gewinnen, sagte der Vorstandschef. Denn die seit Beginn des Jahres zunächst in der Region Torgau-Oschatz mögliche Förderung gleiche nur den Verlust von zwei Jahren gegenüber einer Arbeit in den alten Ländern aus. Ab dem dritten Jahr verdiene ein Arzt hierzulande deutlich weniger.

Problem der Überalterung
Für die Regionen Döbeln, Mittlerer Erzgebirgskreis, Muldentalkreis, Mittweida und Görlitz/Niederschlesischer Oberlausitzkreis sieht das Sozialministerium einen drohenden Mangel in der hausärztlichen Versorgung. Dies gelte im stationären Bereich auch in den Krankenhäusern von Görlitz, der Landkreise Löbau-Zittau, Aue-Schwarzenberg und Mittweida sowie im Mittleren Erzgebirge. Für das Ministerium liegen die Gründe allerdings in erster Linie in der Überalterung und der mangelnden Bereitschaft junger Ärzte. Die Vergütung spiele eine geringere Rolle.

20 Prozent weniger Vergütung
Das sieht man, ähnlich wie die Ärzte in Sachsen, in Thüringen jedoch anders. In Ostdeutschland müsse ein Hausarzt 25 bis 30 Prozent mehr Patienten betreuen, erhalte aber nur 80 Prozent der Vergütung im Vergleich zum Westen, sagt der Sprecher der Thüringer KV, Matthias Zenker. Vor allem deshalb seien 97 Hausarztsitze und 70 Facharztsitze im Freistaat unbesetzt.
"Weiße Flecken" wiesen die Region Greiz, aber auch der Norden und der Süden des Landes auf. "Aber selbst in Erfurt haben wir 14 freie Hausarztsitze", betont Zenker. Insgesamt praktizierten im Land derzeit rund 3500 niedergelassene Ärzte.
In Sachsen-Anhalt zeigt sich die Entwicklung kaum anders. Das Land wird nach Angaben des KV-Vorsitzenden, Burkard John, bis 2010 mit bis zu 250 Ärzten weniger auskommen müssen. Um dem entgegenzuwirken, hat das Land ein Förderprogramm gestartet. Damit können Ärzte, die bis zum 66. Lebensjahr praktizieren, eine Prämie von 15 000 Euro erhalten. Auch der junge Kollege, der eine solche Praxis übernimmt, werde noch einmal mit derselben Summe gefördert, sagt John. (ddp/ksi)