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74 Kilogramm Honig im Landtag

Post aus Dresden. Wenn es ein Tier gibt, das wirklich nett ist, dann doch wohl die Biene. Da sind sich alle einig, auch über Parteigrenzen hinweg. Christine Keilkolz

Trotzdem sind die gemeinen Honigbienen eine verschwindende Spezies in Feld, Wald und Flur. Das sollte alle alarmieren. Die SPD müsste sich eigentlich um Bienen kümmern, denn die Biene ist der hart arbeitende kleine Mann im Ökosystem, der nie Anerkennung bekommt und am Ende die Zeche zahlt. Die CDU müsste in der Biene einen Leistungserbringer erkennen, der viel auf Familie hält und im Gemeinwesen brav seinen Beitrag zahlt, ohne ständig auf die Barrikaden zu gehen.

Die Linken müssten Herz für die Bienen zeigen, denn die werden von internationalen Supermarkt-Konzernen geknechtet und ausgepresst und obendrein aus ihren Wohnungen geschmissen, wenn da Lofts gebaut werden sollen. Die Grünen müssten sich um die Bienen kümmern, denn Bienen sind halt Tiere. Für die AfD wären die Bienen eine lohnenswerte Klientel, denn ihre Völker werden von verschleierten Gestalten ausgenommen, die Wasserpfeife rauchen. Leider können Bienen nicht wählen, deshalb kümmert sich niemand um sie. Es sei denn, es springt etwas dabei raus. 74 Kilogramm Honig konnte der Sächsische Landtag jüngst vermelden. So viel haben die vier Bienenvölker produziert, die im Innenhof des Hohen Hauses wohnen. Der Honig ist bereits geschleudert und reicht für 200 Gläser. Er soll von der Protokollabteilung als originelles Präsent und Dankeschön an besondere Gäste verschenkt werden. "Im Sächsischen Landtag wird bienenfleißig gearbeitet", stellte Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) zufrieden fest. Honig ist doch mal was Handfestes. Es ist nicht bekannt, dass einer der 126 Abgeordneten mal 74 Kilo von irgendwas im Jahr produziert hätte. Altpapier vielleicht.