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500 neue Wohnungen geplant

Blick auf eine Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden.
Blick auf eine Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden. FOTO: dpa
Dresden. Mehr Neubau, weniger Leerstand – Sachsens Wohnungsgenossenschaften haben große Pläne. Auf dem Land wollen sie fortan Selbstversorger bei Wärme und Strom sein. Und auch Mieter aus Polen und Tschechien sind willkommen. dpa/uf

Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften wollen in diesem Jahr erstmals mehr neue Wohnungen fertigstellen, als sie durch Abriss oder Teilrückbau vom Markt nehmen. Schon im vergangenen Jahr seien die Investitionen in den Neubau um 28 auf 60 Millionen Euro erhöht worden, während man die Mittel für Modernisierung und Instandhaltung geringfügig reduziert habe, teilte der Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG) am Mittwoch in Dresden mit. Laut Statistik wurden 2014 insgesamt 194 neue Wohnungen fertiggestellt, in diesem Jahr sollen es mehr als 500 werden. Zugleich ist ein Rückbau von knapp 500 Wohneinheiten geplant.

Verbandschef Axel Viehweger widersprach Darstellungen von Kommunalpolitikern aus Dresden, durch Gründung einer neuen Wohnungsbaugesellschaft billige Mietwohnungen bauen zu können. "Die Bevölkerung in Dresden wird belogen", sagte Viehweger. Offenbar rechne man bei diesem Modell mit Zuschüssen der Stadt. Wenn der Stadtrat so etwas beschließe, würden die Genossenschaften juristisch dagegen vorgehen. Keiner könne heute Neubauten für 6,50 Euro pro Quadratmeter bauen. Vielmehr lägen die Kosten derzeit bei neun Euro, 2016 sogar bei zen Euro: "Billiger bauen kann keiner in diesem Land."

Viehweger hob damit auf eine Debatte ab, die im Dresdner Oberbürgermeisterwahlkampf eine Rolle spielt. Der rot-rot-grün dominierte Stadtrat hatte vorgeschlagen, den immer weiter steigenden Mieten mit einer neuen Wohnungsbaugesellschaft (Woba) zu begegnen. Auch Innenminister Markus Ulbig, CDU-Kandidat für die OB-Wahl, sprach sich für eine neue Woba aus, die 5000 neue Wohnungen errichten soll. Die Stadt Dresden hatte 2006 ihren gesamten Wohnungsbestand an eine US-amerikanische Investorengruppe für verkauft. Damit wurde Dresden auf einen Schlag die erste schuldenfreie Großstadt Deutschlands.

Die Bilanz der VSWG bezieht sich auf 219 Wohnungsgenossenschaften mit zusammen 280 000 Wohnungen. Die Bilanzsumme betrug 2014 mehr als neun Milliarden Euro, der Umsatzerlös lag bei 1,1 Milliarden Euro und damit auf Vorjahresniveau. In diesem Jahr planen die Genossenschaften Investitionen von rund 342 Millionen Euro, 37 Millionen mehr als 2014. In erster Linie geht es um Modernisierungen. Laut Viehweger haben die Verbandsmitglieder seit 1990 insgesamt 12,8 Milliarden Euro investiert - im Schnitt 1,4 Millionen Euro am Tag. VSWG-Referent Sven Winkler gab noch eine kleinere Einheit an: rund 1000 Euro pro Minute.

Um die hohen Energiekosten vor allem für Mieter im ländlichen Raum in den Griff zu bekommen, erwägen die Wohnungsgenossenschaften nun, zum Selbstversorger zu werden - mit eigenen Kraftwerken und Netzen.

In Sachsens Grenzgebieten haben die Genossenschaften inzwischen schon Mieter aus Polen und Tschechien. Da es in beiden Ländern einen Mangel an Wohnungen und einen enormen Modernisierungsstau gebe, sei der hiesige Wohnungsmarkt für Betroffene attraktiv, hieß es. "Das sind Leute, die in Polen oder Tschechien arbeiten, aber bei uns wohnen", erklärte der Verbandschef. Mit einer Einführung des Euro in den beiden Ländern werde sich dieser Anteil eher noch erhöhen.