ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:12 Uhr

Ehrgeizige Herrchen und Frauchen mit ihren Rassetieren
Das große Wedeln

Ein frisierter Pudel wartet auf der "World Dog Show" in Leipzig am Wettbewerbsring auf sein Herrchen. Mit der "German Winner Show" beginnt der Rassehundewettbewerb, bei dem bis 12.11.2017 rund 31.000 Tiere erwartet werden.
Ein frisierter Pudel wartet auf der "World Dog Show" in Leipzig am Wettbewerbsring auf sein Herrchen. Mit der "German Winner Show" beginnt der Rassehundewettbewerb, bei dem bis 12.11.2017 rund 31.000 Tiere erwartet werden. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Leipzig. Ehrgeizige Herrchen und Frauchen pilgern mit Tausenden Rassetieren nach Sachsen. Von Violetta Kuhn

Wer mit seinem Rassehund hoch hinaus will, den trifft man mit ziemlicher Sicherheit diese Woche in Leipzig. Denn hier soll die entscheidende Frage geklärt werden: Wer ist der beste Hund der Welt? Und das gleich Hunderte Male: für je 280 Rassen und noch mal in verschiedenen Hunde-Kategorien.

Knapp 25 000 Hunde sind in der sächsischen Stadt für die nach Veranstalterangaben größte Hundeausstellung der Welt angemeldet – die World Dog Show. Und noch einmal mehr als 6000 sind bei der vorgeschalteten German Winner Show dabei, die am Mittwoch begann. Das Wichtigste zu diesem Schaulaufen der Edel-Vierbeiner:

Wozu der ganze Aufwand?

Für „Ruhm und Ehre“. So formuliert es Udo Kopernik, Vorstandsmitglied im Verband für das deutsche Hundewesen (VDH), der die Schau ausrichtet. Weltbester Rüde einer Rasse zu sein – das könne den Sieger als „Deckpartner“ begehrt machen, sagt Kopernik. „Da ist natürlich die Crème de la Crème dabei. Wer extra aus Russland anreist, der hat auch was vor.“ Bei der Schau wird von 280 Rassen in verschiedenen Kategorien der Weltbeste gekürt: Rüden treten gegen Rüden an, Hündinnen gegen Hündinnen. Es gibt eine Juniorliga, mit Hunden nicht älter als 15 Monate. Und dann sind da noch die „Veteranen“, die schon acht Jahre oder älter sind.

Ein Shih-tzu wartet am Wettbewerbsring auf seinen Auftritt.
Ein Shih-tzu wartet am Wettbewerbsring auf seinen Auftritt. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa

Wie werden die Hunde für den Auftritt schick gemacht?

Unterschiedlich. Manche Halter machen ihren Vierbeiner selbst zurecht. Andere engagieren extra einen sogenannten Groomer. Das ist eine Art Stylist für Hunde. Er manikürt die Krallen, säubert die Zähne und frisiert das Fell. Wer den ganz professionellen Auftritt wünscht, kann seinen Hund gar von einem Experten vor die Jury bringen lassen: von einem sogenannten Handler – englisch ausgesprochen.

Was passiert auf dem Hundelaufsteg?

Der Laufsteg ist in Wahrheit eine Art Wettkampfring. Dort hinein kommen alle Hunde, die in ihrer Klasse gegeneinander antreten. Bei den Dackeln wollen bei der World Dog Show in zig Durchgängen ganze 914 Hunde bewertet werden. Bei der Steirischen Rauhaarbracke ist hingegen nur ein Tier angemeldet.

Der Juror schaut zunächst auf das Benehmen der Tiere. „Es haben nur Hunde eine Chance, die sich gesittet verhalten“, sagt Kopernik, selbst Juror. Beim Einzelcheck werden die Zähne begutachtet und der Körper des Hundes abgetastet. Auch Fellfarbe und Körpergröße müssen stimmen. Am Ende muss der Hund ähnlich wie ein Model schaulaufen, im Hundetrab. Dabei zählen „Raumgriff“ der Vorderbeine und „Schub“ der Hinterhand. In die Endauswahl kommen die Hunde, die die Bestnote „vorzüglich“ erhalten. Unter ihnen werden die Plätze eins bis vier vergeben.

Was geschieht mit den vielen Hundehaufen der 31 000 Hunde?

Die naheliegende Antwort von Hundeverbands-Vorstand Kopernik: „Die muss man wegmachen.“ Auf dem Messegelände stehen demnach Spender mit Kotbeuteln bereit. Wegen der ganzen Aufregung könne es durchaus vorkommen, dass einem Hund mal ein Malheur passiere – oder dass er öfter müsse als gewöhnlich. Für das ganz normale Geschäft gibt es zwischen den Messehallen „Löseplätze“, eine Art überdimensionierter Sandkasten mit Rindenmulch und Rollrasen – ebenfalls versehen mit Beutelspender.

Wo schlafen Zehntausende Hunde in Leipzig ihren Schönheitsschlaf?

Es gibt Vierbeiner, die mit ihren Herrchen im Hotelzimmer nächtigen. Aber seit Anfang der Woche entsteht auf dem Messegelände auch eine Art Hunde-Wagenburg aus Caravans. „Das sieht dann ein bisschen aus wie eine Reihenhaussiedlung“, sagt Udo Kopernik. Manche Herrchen stellten sogar einen Jägerzaun vor ihrem Wohnwagenanhänger auf, in denen die Tiere dann herumtollen können. „Das hat eine ganz eigenartige Idylle.“