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| 19:51 Uhr

Spendenaktion
300. Herrnhuter Geburtstag wird im sanierten Kirchsaal gefeiert

Das Gemeinhaus beherbergt den Kirchensaal als Herzstück der Herrnhuter Brüdergemeinde.
Das Gemeinhaus beherbergt den Kirchensaal als Herzstück der Herrnhuter Brüdergemeinde. FOTO: Uwe Menschner
Herrnhut. Die Brüdergemeine braucht erhebliche Spendenmittel für ihr Großvorhaben. Seit vielen Jahren wird fleißig gesammelt. Einen ersten Erfolg haben Freunde und Förderer bereits erzielt. Von Uwe Menschner

Ein jeder wünscht sich eine gute Stube, in der es sich behaglich und komfortabel leben lässt. Dies gilt auch für die Herrnhuter Brüdergemeine. Sie betrachtet ihren Kirchensaal als „Gute Stube“, in der sich das spirituelle Leben weitestgehend abspielt. „Die weiße Farbe der Wände und Bänke symbolisiert Reinheit, Freude und Erlösung. Die schlichte Gestaltung lässt das Wichtigste, die versammelte Gemeinde, gut zur Geltung kommen“, erklärt der Ältestenrat als oberstes Gremium der Brüdergemeine.

Doch mittlerweile ist die gute Stube der „Herrnhuter“ in die Jahre gekommen und bedarf dringend der Sanierung: „Zum Ende des Zweiten Weltkriegs fiel der Saal einem verheerenden Brand zum Opfer. Unter großer Kraftanstrengung baute ihn die Brüdergemeine in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wieder auf. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 konnten das Dach und die Außenfassade erneuert werden“, heißt es in einer Erklärung des Freunde und Förderer des Vereins Herrnhuter Kirchensaals., der sich die Wiederherstellung der ursprünglichen Schönheit auf die Fahnen geschrieben hat: „Nun engagieren wir uns, auch den Innenraum des Großen Saals vollständig zu rekonstruieren und mitsamt der Orgel und den angrenzenden Gemeinderäumen wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen.“

Etwa 1,5 Millionen Euro benötigt die Herrnhuter Brüdergemeinde allein für den Hauptsaal, weitere 600 000 Euro kostet die ebenfalls dringend erforderliche Sanierung der Orgel, und noch einmal 200 000 Euro sind für die Nebenräume veranschlagt. Bis zum Jubiläumsjahr 2022, in dem die Gemeine ihr 300jähriges Bestehen feiert, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ein ambitioniertes Ziel, das die „Herrnhuter“ allein aus eigener Kraft freilich nicht stemmen können: „Ein Großteil der Finanzierung muss mit Hilfe von Freunden durch Spenden aufgebracht werden“, weiß der Förderverein, der auch seiner Hoffnung auf „öffentliche Spender“ Ausdruck verleiht.

Einen ersten Erfolg hat dieser Ruf immerhin schon erzielt: Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien beteiligen sich mit einer nicht benannten Summe an den Sanierungskosten. Konkret wollen sie die Wiederherstellung der historischen Schwesternempore und der umlaufenden Holzverkleidung (Lambris) finanzieren. „Der Herrnhuter Kirchensaal ist von weltweiter Bedeutung. Die Rekonstruktion des Saals in seiner ursprünglichen Gestalt wird dazu beitragen, das besondere kulturhistorische Erbe Herrnhuts zur Geltung zu bringen und zugleich die Rolle Herrnhuts als Ort der Kultur und Begegnung im Dreiländereck zu stärken“, begründet Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, das Engagement. „Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe“, sagt Pfarrer Peter Vogt, „denn wir stehen noch ziemlich am Anfang unseres Projekts. Da ist die Unterstützung durch die Sparkassenstiftungen eine enorme Ermutigung.“

Der 1756/57 errichtete Kirchensaal, auch als „Betsaal“ oder „Gemeinsaal“ bezeichnet, dient heute auch als Versammlungsraum und Aula für die Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut sowie die Johann-Amos-Comenius-Förderschule der Herrnhuter Diakonie. Von Siegmund August von Gersdorff im Stil des sächsischen Landbarocks entworfen, ist der Saal Vorbild für Kirchen der Brüdergemeine weltweit – von Kanada bis Südafrika.

Mit der avisierten Sanierung verbindet sich laut Ältestenrat der Herrnhuter Brüdergemeine das Ziel, „nicht nur die ursprüngliche Herrnhuter Architektur wieder neu zur Geltung zu bringen, sondern auch eine multifunktionale Nutzung für Kirchgemeinde, Schulen, Diakonie und Tourismus zu ermöglichen“.