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2000 Euro brutto, Piercings erlaubt

Vor einen Jahr startete für die ersten sächsischen Wachpolizisten die Ausbildung.
Vor einen Jahr startete für die ersten sächsischen Wachpolizisten die Ausbildung. FOTO: dpa
Dresden. "Eine Chance wie keine andere", so wirbt Sachsen um junge Menschen für den Dienst. Kritiker sehen die Wachpolizei aber auch nach einem Jahr eher als eine gefährliche Billiglösung. Christine Keilholz / ckz1

Drei Monate Ausbildung, dann ab in den Dienst. Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung sind Bedingung für den Job. Tätowierungen und Piercings sollten nicht sichtbar sein, dafür ein jederzeitiges Eintreten "für die freiheitlich demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes", heißt es in der Jobbeschreibung.

Ob der Dienst in der Truppe wirklich so attraktiv ist, da hegt der Landtagsabgeordnete der Linken, Enrico Stange, Zweifel. Knapp 1000 Bewerber haben für den mittlerweile fünften Ausbildungsgang Interesse angemeldet, ergab eine Anfrage Stanges beim Innenministerium. Beim ersten Gang vor einem Jahr meldeten sich sogar 1700 Interessenten. Aber nur wenige beginnen auch wirklich die Ausbildung.

Seit einem Jahr gibt es die Wachpolizei in Sachsen. Doch die Kritik von Opposition und Polizeigewerkschaft ist kein bisschen leiser geworden. Wachpolizisten sollen die Polizei bei Objektschutz und Personenbewachung unterstützen. Dafür bekommen sie ein Tarifgehalt nach Entgeltgruppe drei von rund 2000 Euro brutto und einen sicheren Job für zwei Jahre.

Linke und Grüne sehen die Wachpolizei als eine Art Polizei Light, die über fehlende Stellen bei der echten Polizei hinwegtäuschen soll. Von "hilflosem Aktionismus" ist immer wieder die Rede. Die Grünen im Landtag warfen Innenminister Markus Ulbig (CDU) vor, den Anwärtern vorzu-gaukeln, "sie könnten wie richtige Polizisten handeln". Die Linken rückten die Wachpolizei in einer Landtagsdebatte in die Nähe von Bürgerwehren, die auf eigene Faust losziehen.

Den Kritikern der Wachpolizei bereiten zwei Dinge Unbehagen. Erstens, dass Leute nach drei Monaten Schnellbesohlung eine Waffe in die Hand bekommen. Und zweitens, dass am Ende die falschen Kandidaten bei der Truppe landen, die Ulbig als "wichtigen Baustein unserer Sicherheitsarchitektur" feiert.

Im Auge hatte der Minister von Anfang an junge Menschen bis 33 Jahre, die möglichst schon einen Beruf gelernt haben. Wer die Bewerbungsrunde für den Polizeidienst knapp verpasst hat, dem kann die Wachpolizei eine zweite Tür in den regulären Dienst öffnen. Die Anwärter sollen "auf Grund ihrer persönlichen Reife und Lebenserfahrung den besonderen Anforderungen des Dienstes" gewachsen sein, schreibt Ulbig in einer Antwort an Stange.

Der Abgeordnete kritisiert, dass schließlich nur ein Viertel der Bewerber ins Auswahlverfahren kämen. Mehr als zwölf Prozent fielen durch. Wer besteht, kriegt Rechtskenntnisse vermittelt, absolviert ein praktisches Einsatztraining und eine Schießausbildung.

Ende 2015 machte der Landtag den Weg frei für die Einführung der Wachpolizei. Der Bedarf an Sicherheit war durch die Unterbringung von Flüchtlingen und etliche Anschläge gestiegen. 550 Stellen wurden dafür geschaffen, bis jetzt sind mehr als 200 Wachpolizisten im Dienst.

Wachpolizisten haben deutlich weniger Befugnisse als Polizisten. Sie dürfen die Identität einer Person feststellen, Platzverweise aussprechen, aber auch unmittelbaren Zwang anwenden. Von der Schusswaffe machten die Wachpolizisten indes bis jetzt noch keinen Gebrauch.