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| 11:36 Uhr

In Bananenkisten versteckt
100 Kilo Kokain in Nordsachsen entdeckt

Den letzten großen Kokainfund in Bananenkisten in der Region gab es 2015, damals in Berlin.
Den letzten großen Kokainfund in Bananenkisten in der Region gab es 2015, damals in Berlin. FOTO: Soeren Stache
Großenhain/Dresden. Deutschland wird seit Monaten von Kokain überschwemmt. Immer größere Mengen zieht der Zoll aus dem Verkehr. Der jüngste Fund wurde unweit der Lausitz gemacht. 100 Kilo in Bananenkisten in einem Großmarkt bei Großenhain. Von Bodo Baumert

Der Fruchthof Meißen in Priestewitz bei Großenhain ist eine der Verteilstationen für Bananen in der gesamten Region. 25 000 Kartons Bananen treffen hier pro Woche ein und werden in den Reifekammern für den Verkauf in Supermärkten vorbereiten. In einem Radius von 250 Kilometern beliefert das Unternehmen nach eigenen Angaben Kunden. Mitte Mai traf eine Lieferung ein, die so nicht erwartet wurde. Mitarbeiter entdeckten in den Kisten aus Südamerika Beutel mit weißem Pulver und informierten die Polizei. Die rückte gemeinsam mit dem Zoll an und machte eine erstaunliche Entdeckung: Kokain.

Insgesamt 100 Kilogramm der gefährlichen Aufputschdroge wurden sichergestellt. „Hierbei handelt es sich um den bisher größten Fund dieses Rauschgifts in Sachsen“, sagt Eberhard Thiedmann, Pressesprecher des Zollfahndungsamtes Dresden. Beim illegalen Verkauf hätten die Schmuggler mindestens 7,5 Millionen Euro erzielen können.

Gefunden wurden die Drogen bereits am 19. Mai. „Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde bisher von einer Pressemitteilung abgesehen“, erklärt Thiedmann auf Nachfrage. Die Ermittlungen laufen noch. Zur Herkunft der Drogen will der Zoll deshalb keine Auskunft geben. Bekannt ist aber, dass der Fruchthof seien Ware von „Plantagen Mittelamerikas“ bezieht. Von dort werden die Bananen unreif in riesigen Kühlschiffen nach Hamburg, Antwerpen oder Rotterdam gebracht und auf Lkw umgeladen. In Priestewitz reifen sie dann in extra angelegten Reifekammern auf den perfekten Punkt für den Kauf in hiesigen Supermärkten.

In den Handel sind die Kokain-Bananen in diesem Fall allerdings nicht gekommen. Das bestätigt der Zoll auf Nachfrage.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. In Bayern und Mecklenburg hat es in den vergangenen Monaten ähnliche Fälle gegeben. In der Lausitz allerdings noch nicht.

Für das Jahr 2017 weist das Lagebild des Bundeskriminalamtes einen Anstieg der Rauschgiftkriminalität in Deutschland um 9,2 Prozent aus. Die Wahrheit dahinter ist, dass die Verfügbarkeit von Drogen in Deutschland höchst wahrscheinlich weiter zugenommen hat. Das belegen etwa die enormen Kokain-Funde, vor allem in den Containerhäfen an der Nordsee. Über acht Tonnen Kokain hat die Polizei 2017 in Deutschland beschlagnahmt, ein Vierfaches der Mengen aus dem Vorjahr.

Auch in anderen europäischen Staaten kam es zu Sicherstellungen mit teils erheblichen Mengen. Drei Viertel davon kommt nach wie vor aus Kolumbien. „Die Tatsache, dass die südamerikanischen Rauschgifthändlerorganisationen Einzellieferungen in diesem Umfang verschiffen und damit ein hohes Risiko im Falle einer Sicherstellung in Kauf nehmen, belegt die hohe Verfügbarkeit von Kokain in den Herkunftsstaaten“, schätzt das BKA ein. Es sei davon auszugehen, dass trotz der Rekordfunde weiterhin größere Mengen Kokain in Deutschland ankommen.

Das bestätigt auch der Jahresbericht der Beobachtungsstelle der Europäischen Union für Drogen und Drogensucht. Demnach hat die Reinheit der verkauften Droge im Durchschnitt zugenommen. In vielen Städten wurden zuletzt mehr Kokainrückstände im Abwasser festgestellt als im Vorjahr, auch wurden häufiger Drogenfunde gemacht.