Die Hauptroute zwischen Dresden und Prag sei zwar noch kein Schwerpunkt von Flüchtlingsströmen, sagt Sachsens Innenminister Ulbig, man müsse aber dringend die Flüchtlingsbewegungen kanalisieren. Ziel sei es zu verhindern, "dass die Grenze an allen Stellen illegal übertreten wird, und niemand weiß, wie viele Menschen wirklich kommen". Ulbig hatte Kontrollen ab Montagnachmittag angekündigt. Die Bundespolizei nannte keinen Zeitpunkt.

Durch den Einsatz der Bundespolizei, die für die Kontrollen von Außengrenzen zuständig ist, verspricht sich Sachsens Polizeiführung eine Entlastung eigener Kräfte. Zu erwarten ist, dass viele Flüchtlinge angesichts der Kontrollen an der Grenze zu Österreich den Weg über Tschechien nehmen. Dort ist es noch relativ ruhig. Beispiel Klingenthal (Vogtlandkreis): Die Bundespolizei griff in der letzten Woche 136 Personen auf, darunter 17 Kinder. Die meisten kamen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Pakistan.

Die regierende CDU verteidigt die Wiedereinführung der Grenzkontrollen. "Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit zurückbekommen", sagt Generalsekretär Michael Kretschmer. Die Kontrollen hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag als vorübergehende Maßnahme eingeführt. Wie lange sie dauert, ist unklar.

"Sachsen wird damit nach elf Jahren Abschaffung der EU-Außengrenzen und der Grenzkontrollen wieder zum Grenzland", sagt der Landeschef der Linken, Rico Gebhardt. "Ich warne davor, diesen Weg weiter zu gehen, denn wir dürfen nie vergessen: In den 90er-Jahren sind viele Flüchtlinge in der Neiße ertrunken."

Keine Hinweise auf mehr illegal Einreisende hat derzeit die Bundespolizei an der brandenburgisch-polnischen Grenze. Von Januar bis Juli waren zwischen Frankfurt (Oder) und sächsischer Grenze 18 illegal Eingereiste ertappt worden, zwei mehr als im Vorjahreszeitraum.