Sachsen hat fast als Primus abgeschnitten. Warum„
Das Ergebnis ist der tollen Arbeit der Lehrer, Schüler und Elternhäuser zu verdanken. Zudem zahlt sich aus, dass wir seit 1990 stabile Verhältnisse haben und die Schullandschaft nicht ständig umgebaut wurde. Es ist also auch ein Erfolg der Zweigliedrigkeit und der Mittelschulen. Außerdem waren diesmal die Naturwissenschaften Pisa-Schwerpunkt - da ist Sachsen traditionell stark. Jetzt gilt es, Pisa-Sieger Finnland zu erreichen.

Aber Sie können sich auf dem Lorbeer nicht ausruhen. Es gibt Mängel bei der Lesekompetenz, Lernschwache hinken hinterher und zehn Prozent der Schulabgänger sind ohne Ab schluss . . .
Wenn wir an die Weltspitze wollen, ist unsere nächste Aufgabe tatsächlich, leistungsschwächere Schüler auf ein höheres Niveau zu bringen. Das ist zuerst eine Aufgabe der Eltern und damit auch eine Frage der Familienbildung. Zuhause sollte mehr gelesen werden als fern gesehen, denn Schule kann nur versuchen, Defizite auszugleichen. Dabei können künftig die Ganztagsschulen Schüler mit Lücken besser fördern. Die Förderung der Kinder muss zudem sehr früh beginnen. Daher werden jetzt in den Kitas Bildungspläne eingeführt.

Sie haben Schulen geschlossen und Lehrer auf Teilzeit gesetzt. Wie lange ist die gute Pisa-Note noch zu halten“
Ich rechne nicht mit einem Rückfall. Die Zahlen der Unterrichtsversorgung sind nicht schlechter geworden. Im Gegenteil. Es gibt überall Reserven. Lehrer, die sich demotiviert fühlten, sollten aus dem Pisa-Ergebnis wieder Kraft schöpfen. Und die Einschnitte in der Schullandschaft orientieren sich gerade auch an den Pisa-Anforderungen, weil wir verhindert haben, dass die Schulen zu klein werden und die Bildungsvielfalt dadurch leidet.

Deutschland bleibt international auf hinteren Rängen. Was empfiehlt Sachsen den schwächeren Bundesländern?
Man muss zu mehr Einheitlichkeit der Schulsysteme der 16 Bundesländer kommen - etwa durch das Zentralabitur und andere Abschlüsse. Damit könnten wir in Mitteldeutschland beginnen, wo fast gleiche Bedingungen herrschen, und zukünftig zentrale Prüfungen in ganz Deutschland einführen. Dann wäre das Abitur endlich vergleichbar. Bisher gibt es in den Leistungen zu große Unterschiede. Zentrale Abschlüsse werden es zudem leichter machen, bundesweite Bildungsstandards auch umzusetzen.

Mit Steffen Flath
sprach Sven Heitkamp