Umweltverschmutzung, Kahlschlag und Wildfraß in der Vergangenheit haben den Bestand der Weißtanne in Sachsen stark dezimiert. „Sie ist vom Aussterben bedroht“, sagt der Sprecher des Staatsbetriebes Sachsenforst, Thomas Rother.

War im 17. Jahrhundert noch jeder dritte Baum in den Mittelgebirgswäldern eine Edel- oder Silbertanne, wie sie auch im Volksmund heißt, gab es Anfang der 90er-Jahre nur noch knapp 2000 Alttannen auf rund acht Hektar Wald.

Die Wiederbesiedlung der Mittelgebirge mit der Weißtanne ist wichtiger Bestandteil des Waldumbaus in Sachsen. Inzwischen wurde sie auf knapp 1000 Hektar neu angesiedelt. „Früher war die Weißtanne neben Fichte, Buche und Bergahorn die wesentlichste Baumart im Bergmischwald“, erklärt Rother. Sie sei in den Wäldern des Erzgebirges, Vogtlandes und Oberlausitzer Berglandes in Höhenlagen bis etwa 650 Meter zu finden.

Schadstoff-Emissionen, hohe Wildpopulation und Kahlschlagwirtschaft in der DDR führten laut Rother dazu, dass die Pflanze inzwischen gefährdet ist. „Ihre Knospen werden gern von Rehen und Rotwild gefressen, Hirsche und Rehböcke fegen die Stämme mit ihren Geweihen und zerschlagen die Rinde, sodass Eintrittsherde für Pilze entstehen.“

Da die Baumart aber wichtig für das ökologische Gleichgewicht und die Stabilisierung von Waldbeständen sei, werde aufgeforstet. „Die Weißtanne bildet eine Talwurzel aus und ist ein stabilisierendes Element im Waldökosystem“, erklärte Rother. Die eingeschränkte genetische Vielfalt müsse wieder erhöht werden, auch mit Hilfe von Saatgut aus der Slowakei. In fünf Jahren werden in Forstbaumschulen aus den Samen kleine Bäumchen. „Da es eine Schattenbaumart ist, werden sie dann unter dem Schirm eines älteren Baumbestandes ausgepflanzt“, sagte Rother. „Auf Freiflächen kommt die Weißtanne nicht zurecht.“