Sachsens Südwesten ist zwar voll von bröckelnden Bauten aus der goldenen Zeit der Industriepioniere. Doch eine passende Location für die Landesausstellung 2018 hat sich auch nach vier Jahren Suche nicht gefunden.

Plauen, die Stadt der Spitze, schied aus. Glauchau und Johanngeorgenstadt ebenfalls. Oelsnitz, das alte Teppich-Mekka im Vogtland, überzeugte ebenso wenig wie Oberlungwitz am Sachsenring. Noch im April prüfte die Expertengruppe im Kunstministerium die letzten drei Bewerbungen. Aber vergeblich. Jetzt wird die Zeit zu knapp. Das Ministerium meldet nun Aufschub bis 2020 - will aber weiter an einer Landesausstellung mit dem Schwerpunkt Industriekultur festhalten.

Aus im zweiten Anlauf

Das Projekt Landesausstellung 2018 scheitert damit auch im zweiten Anlauf. Dabei war schon mal alles entschieden worden. Im Januar 2014 gab die damalige Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) den Zuschlag an Zwickau. Doch Sachsens viertgrößte Stadt wollte für die Ausstellung eine denkmalgeschützte Autofabrik sanieren.

Der 100 Jahre alte Horch-Hochbau steht für den Aufstieg der Zwickauer Horch-Werke zum Automobilgiganten Audi und wäre zudem mit 10 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche groß genug gewesen. Das Ganze war dann aber zu groß, sodass die Zwickauer die Reißleine zogen. Schorlemers Nachfolgerin, Eva-Maria Stange (SPD) drehte im Dezember das ganze Verfahren zurück auf Anfang. Genau da steht es jetzt wieder.

Denn auch für Stanges Alternativkonzept fand sich nicht der passende Rahmen. Demnach sollte die Landesausstellung auf mehrere Orte verteilt werden: eine branchenübergreifende Leitausstellung, dazu mehrere Begleitausstellungen an authentischen Orten. Dass das prinzipiell geht, glaubt Stange noch immer. Man werde "auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen für 2020 einen neuen Anlauf starten", kündigte die Ministerin am Montag an.

Doch nicht alle sind so optimistisch. Der Linken-Landtagsabgeordnete Franz Sodann wertet die Terminverschiebung auf 2020 bereits als "ungewolltes Eingeständnis des Scheiterns". Er empfiehlt stattdessen eine grundlegende Neukonzeption.

Wofür die schwarz-rote Staatsregierung keinen Grund sieht. Gefunden werden muss schließlich nur ein gehaltvoller Ort für die Leitausstellung. Die soll den Bogen schlagen zwischen den vielen Zentren des sächsischen Wirtschaftswunders im 19. Jahrhundert und dabei einem diffizilen Regionalproporz Genüge tun. Und die vielen Branchen - von der Tuchweberei bis zum Schwermetall - einbeziehen. Doch die aussortierten Objekte scheiterten schon am Praktischen. Oberlungwitz mit seiner markanten alten Strumpffabrik fehlte eine sinnvolle Nutzung nach der Ausstellung. Die aber ist Voraussetzung dafür, dass Fördermittel für die Sanierung fließen. Ebenso erging es der Horch-Autofabrik in Zwickau. Dort soll nun immerhin eine der sechs Begleitausstellungen laufen. Wie auch in der Tuchfabrik Pfau in Crimmitschau, in der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg und im Oelsnitzer Bergbaumuseum.

Größere Rolle für Chemnitz

Eine größere Rolle als ursprünglich gedacht, darf Chemnitz spielen. Die Industriemetropole Sachsens war reichlich beleidigt nach der Entscheidung für Zwickau. Nun ist Chemnitz mit zwei kleineren Begleitausstellungen dabei - eine im Industriemuseum und eine im Eisenbahnmuseum Chemnitz Hilbersdorf.

Zuletzt gastierte die Landesausstellung 2011 im Kaisertrutz von Görlitz. Die Schau zu 800 Jahren Via Regia kostete 6,7 Millionen Euro und hatte 170 000 Gäste.