Nach Aussagen von Umweltminister Frank Kupfer (CDU) soll eine Software entwickelt werden, mit der Bauern den optimalen Anbau von Kulturen je nach Ausmaß des Klimawandels vornehmen können. Allerdings stehen hinter vielen Prognosen Fragezeichen. "Es gibt eine hohe Unsicherheit in den Vorhersagen für die Zukunft", räumte der Dresdner Klimaforscher Christian Bernhofer ein.

Belegt sind dagegen die Veränderungen in den vorigen Jahrzehnten. Im Atlas werden die Jahre zwischen 1961 und 1990 mit Werten aus dem Zeitraum von 1991 bis 2005 verglichen. Demnach nahm die mittlere Jahrestemperatur um 0,7 Grad zu. Kupfer nannte konkrete Folgen. Es stelle sich beispielsweise die Frage, ob Investitionen in Skilifte noch sinnvoll seien und eine Förderung erhalten könnten.

Bei der Frage nach konkreten Maßnahmen verwies der Minister auf den im Sommer verabschiedeten Aktionsplan Klima und Umwelt. Zur Nutzung der Braunkohle sah er keine Alternative. Sie werde auch künftig der wichtigste Energieträger in Sachsen sein. Zugleich gelte es, den Anteil an regenerativen Energien zu erhöhen. Kupfer hofft auf eine große Resonanz für den Klimaatlas. Er solle Basis für künftige Planungen und Entscheidungen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft sein. Zudem könne er an Schulen, Hochschulen und in der Erwachsenenbildung zum Einsatz kommen.

Grüne für rasches HandelnDie Grünen verlangten ein rasches Handeln. "Wir fordern eine Klimapolitik auf der Höhe der Probleme. Dazu gehört der entschlossene Einstieg in die dezentrale und solare Energieversorgung der Zukunft", sagte der Abgeordnete Johannes Lichdi. Bis Mitte des Jahrhunderts müsse die Versorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Ab 2015 sollte der Freistaat aus der Braunkohle aussteigen. "Bislang haben wir von der Staatsregierung nur eine Ideensammlung namens Klimaaktionsplan.

Dieser besteht aus vielen guten Vorsätzen, benennt jedoch weder klare Ziele noch konkrete Maßnahmen." Letzteres verlangte auch die FDP. So müsse beispielsweise der Hochwasserschutz noch besser mit Tschechien und Polen abgestimmt werden. "Nicht reden, sondern handeln - dass muss die Antwort auf den Klimawandel sein", so der Abgeordnete Tino Günther.

Sorge um TrinkwasserversorgungAus Sicht von Wissenschaftlern wird der Klimawandel Sachsen in absehbarer Zeit vor Herausforderungen bei der Trinkwasser-Versorgung stellen. Szenarien wie die "Klima Studie Deutschland" sagen häufigere extreme Wetterlagen und insgesamt trockene, heiße Sommer sowie wärmere, feuchte Winter voraus. Dies werde dazu führen, dass die Flüsse in trockenen Sommern nicht mehr genug Wasser führen und dann verstärkt auf Talsperren und Seen zurückgegriffen werden müsse, erläuterte Prof. Christian Wilhelm, Biologe von der Universität Leipzig. "Die Wasserqualität der Talsperren hängt aber entscheidend vom Befüllungsstand ab", sagte Wilhelm.

Seien die Talsperren voll, lasse sich leicht hochwertiges Trinkwasser gewinnen. Sinke jedoch das Volumen des Wassers, steige die Nährstoffkonzentration, und das begünstige Algenwachstum, insbesondere Cyanobakterien.

Forscher in Leipzig suchen in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern nun nach Methoden, wie das Wachstum gefährlicher Cyanobakterien vorhergesagt werden kann. Zudem forschen sie laut Wilhelm nach Möglichkeiten, Blaualgen auf natürlichem Wege zu bekämpfen, um die Wasserqualität zu erhalten. dpa/ddp/das