Gerade erst im Juli erhöhte Sachsen die Zahl seiner Erstaufnahmeplätze auf 5000. Jetzt wird nochmal aufgestockt auf 10 000. Mit diesen dauerhaften Unterbringungsmöglichkeiten reagiert die schwarz-rote Staatsregierung auf die neuen - drastisch erhöhten - Asylprognosen.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach gestern in Dresden von einer "noch nie dagewesenen Zahl an Menschen, die binnen kurzer Zeit nach Deutschland kommen". Es müsse schnell gehandelt werden. Das sei man den Menschen schuldig. "Die übergroße Mehrheit der Sachsen sieht das so", sagte der Regierungschef.

Notunterkünfte wie die umstrittenen Zeltlager und umfunktionierte Turnhallen sollen schnellstmöglich abgelöst werden. Bis Ende Oktober sollen die Zelte verschwinden. Neben den 10 000 Erstaufnahmeplätzen sind 3500 Reserveplätze geplant, um schnell reagieren zu können. Leipzig und Dresden nehmen demnach je 3600 Menschen auf, Chemnitz 1800. In den Außenstellen Schneeberg und Zwickau sollen 300 und 700 Flüchtlinge unterkommen.

Vom Bund fordert Tillich, schnellstmöglich Ausländerbehörden in Dresden und Leipzig einzurichten. Die Kommunen erinnerte er an die "Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit" - und sagte ihnen im Gegenzug 60 Millionen Euro für Unterbringung und Betreuung zu.

Fließen sollen die jeweils 30 Millionen für dieses und das kommende Jahr aus Steuermehreinnahmen und Haushaltsresten - damit anderswo keine Lücken entstehen. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kündigte ein Programm zur Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge an, das von Beratung für Existenzgründer bis hin zu Mikrokrediten reichen soll.

"Wir überlassen Schutzbedürftige nicht ihrem Schicksal", sagt der Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth (CDU): "Wir schaffen das auch - in Deutschland und im Freistaat." Man brauche indes keinen "Unterbietungswettbewerb bei den Standards, mit dem sich einzelne Staaten möglichst unattraktiv für Flüchtlinge machen wollen", so Mackenroth.

Linke und Grüne forderten gestern nach der Sonder-Kabinettssitzung auch eine Sondersitzung des Landtags zum Thema Asyl. "Gemeinsam sollte der Landtag dabei ein starkes Zeichen für die Aufnahme von Flüchtlingen in Sachsen setzen. In diesem Sinne werden wir auf die Fraktionen von CDU und SPD zugehen", sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann.