Eine "historische Stunde" nannte Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) die gestern beschlossene Verfassungsänderung. CDU-Fraktionschef Steffen Flath sprach von einer "Sternstunde".

Auch der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Rico Gebhardt, fand große Worte. Er nannte die Verankerung der Schuldenbremse in der sächsischen Verfassung den "größten kulturellen Kraftakt" für seine 29 Leute starke Fraktion. Von denen schlossen sich schließlich elf den Kollegen von CDU, FDP, SPD und Linken an und verschafften der Verfassungsänderung eine absolute Mehrheit über 102 von insgesamt 128 Stimmen.

Dagegen waren nur 13 Abgeordnete - hauptsächlich von den Linken. Weitere 13 enthielten sich. Damit erreichte der schwarz-gelb-rot-grüne Gesetzentwurf die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit.

Sachsen darf demnach ab 2014 keine weiteren Schulden aufnehmen - ausgenommen bei Ausnahmefällen wie Konjunkturschwankungen oder Naturkatastrophen.

Die Zufriedenheit mit dem Ergebnis von eineinhalb Jahren härtester Verhandlungen staffelte sich über die Fraktionen dann doch. Äußerst zufrieden war CDU-Fraktionschef Flath: "Damit ersparen wir unseren Kindern und Enkeln nicht nur einen immer weiter wachsenden Schuldenberg, sondern ziehen darüber hinaus die richtigen Lehren aus der europäischen Schuldenkrise."

Die bewährte "vorbildliche Finanzpolitik" nannte Flath den "Markenkern" sächsischer Politik. Geld, das andere als Zinsen zur Bank trügen, könne Sachsen in die Entwicklung des Landes investieren. Zufrieden auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Dulig, dessen Partei mit einer Mitgliederbefragung den Weg zur Schuldenbremse ermöglicht hatte. In dieser Frage, so Dulig, werde die SPD gern mit ihren Stimmen zu einer Veränderung beitragen.

Ebenfalls zufrieden der Chef des kleineren Koalitionspartners, Holger Zastrow (FDP). Man könne eben nicht sicher sein, "dass der heute demonstrierte große politische Konsens auch zu jedem Zeitpunkt, in jeder Lage, in jeder politischen und personellen Konstellation auch wirklich trägt". Mit der Verfassungsänderung sei nun festgeschrieben: "Egal wer regiert, er wird sich etwas anderes einfallen lassen müssen als das Machen von Schulden." Dem Verhandlungsziel der FDP gemäß ist Sachsens Schuldenbremse sehr streng und entfaltet eine "Bremskraft mit voller Wucht".

Das hatten sich die Grünen anders gewünscht. Deren Fraktionschefin Antje Hermenau fand denn auch eher leise, tiefe Lobesworte. "Sparsamkeit allein ist noch keine Politik", mahnte Hermenau - die im Zuge der Schuldenbremsen-Verhandlungen gleich noch einen fraktionsinternen Machtkampf gewonnen hatte.

Der dabei unterlegene Rechtssprecher der Fraktion, Johannes Lichdi, stimmte am Mittwoch gegen den Gesetzentwurf. Begründung: Sachsens Opposition hätte hier die Chance zu einer echten Alternative zum schwarz-gelben Regierungsbündnis verpasst.

Ein Balanceakt gelang dem Linken-Chef Gebhardt, der auf Geheiß der Bundespartei aus den Verhandlungen ausgestiegen war, aber doch auf Zustimmung in seiner Fraktion hoffte. Gebhardt sprach von einem "guten Tag für die sächsische Demokratie" und von der "bisher schwierigsten politischen Entscheidung" seines Lebens.