Die Linke-Fraktion hatte auf einer Sondersitzung am Donnerstag mehrheitlich beschlossen, ein förmliches Ausschlussverfahren gegen Weckesser einzuleiten. Zudem wurde der 59-Jährige eine Woche nach seiner Zustimmung zu einem Antrag Rechtsextremer im Dresdner Stadtrat als Vorsitzender und Mitglied des Haushaltsausschusses des Landtags sowie als finanzpolitischer Sprecher der Fraktion abgewählt.

Weckesser, der seine Zustimmung bereits als Fehler bezeichnet hat, äußerte sich überzeugt davon, dass dieses kritisierte Verhalten im Stadtrat "nur ein willkommener Anlass war, endlich etwas zu machen, was ganz andere Gründe hat". Zugleich sprach er von einer "Kampagne". Im Stundentakt seien "vorformulierte Empörungsschreiben aus den Kreisverbänden" eingetroffen und den Fraktionsmitgliedern vorgelegt worden.

Biermann-Vergleich zurückgewiesenLay wies unterdessen den von Weckesser gewählten Vergleich mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 als "unangemessen und geschmacklos" zurück. Es sei ein Unterschied, ob jemand aus einem Land ausgewiesen werde und alle Bürgerrechte verliere oder ob jemand aus einer Fraktion ausgeschlossen werde. Zudem sei Biermann ein Oppositioneller gewesen, während Weckesser "gerade vorgeworfen wird, als Oppositionspolitiker die Politik der Staatsregierung zu unterstützen".

Zugleich verwahrte sich Lay gegen Kritik durch die CDU. Deren Generalsekretär Michael Kretschmer wolle "lediglich davon ablenken, dass die Zustimmung der CDU-Stadträte zu dem Nazi-Antrag bis heute ohne Konsequenzen geblieben" sei. Kretschmer hatte es als "schäbig" bezeichnet, nach einem von Weckesser bereits eingestandenen Fehler seinen Ausschluss aus Fraktion und Partei zu betreiben. Mit ihm werde nun "einer der letzten Aufrechten in der PDS entsorgt, weil er das Spiel der Destruktion nicht mitmacht".

"Ein Sozialist"Linke-Fraktionschef André Hahn hatte Weckesser auch dafür kritisiert, dass er "inzwischen der CDU näher steht als der Linken". Kretschmer verwies indes darauf, dass Weckesser "ein Sozialist" sei. Er sehe "inhaltlich keinerlei Schnittmengen mit der Union".

Der CDU-Landtagsabgeordnete Heinz Eggert bezeichnete es als Ronald Weckessers "folgenschwersten Fehler", dass er zu DDR-Zeiten nicht als IM der Staatssicherheit (Stasi) gearbeitet habe: "Dann wäre ihm nämlich die Solidarität seiner Partei und seiner Fraktion für immer sicher gewesen."

Weckesser will sowohl in der Landtagsfraktion als auch in der Partei bleiben. Zu einem freiwilligen Rückzug war er vor der Fraktion bereits am vergangenen Wochenende durch Landesvorstand und Kreischefs der Linken aufgefordert worden.