Bisher hatte Sachsens SPD auf den Posten eines "Generalsekretärs" verzichtet, zumal Jurk ein solches Amt aus historischen Gründen vehement abgelehnt hatte. "Als jemand, der im November 1989 in die SPD eingetreten ist, habe ich mit dem Begriff politische Bauchschmerzen", so Jurk. Mittlerweile habe er aber auf vielfachen Wunsch aus der Partei einsehen müssen, dass der Terminus in der SPD und anderen Parteien inzwischen im Trend sei. Das Vorschlagsrecht für das Amt habe nur der Landesvorsitzende. Er wolle den Delegierten die Wahl Weigels empfehlen, so Jurk. Der Generalsekretär solle mit dem Votum der Partei und unabhängig von der Koalitionsdisziplin als Sprachrohr der SPD auftreten. Finanzielle Vergütungen sind für den Vorstandsposten nicht vorgesehen.
Diskutiert wird die Personalie jetzt auf drei SPD-Regionalkonferenzen. Die erste Konferenz findet bereits heute Abend in Leipzig statt, morgen folgt die zweite in Chemnitz, am 18. November die dritte in Dresden. Spannend wird dabei auch die Wahl von Jurks Stellvertretern.
Während der Parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Rolf Schwanitz, wieder antritt, liegt von der bisherigen Vize aus Hoyerswerda, Barbara Wittig, keine Bewerbung vor. Die Partei hat daher die Suche nach einer neuen Stellvertreterin begonnen. Jurk kündigte an, er wolle noch mit Wittig sprechen. Inhaltlich will Sachsens SPD eine Kurskorrektur als soziale Regierungspartei diskutieren. "Wir wollen uns stärker als Lebenschancen-Ermöglichungspartei positionieren", sagt Weigel. Staatliche Unterstützung solle statt einer dauerhaften Hängematte eher ein Trampolin sein, das Menschen in Notlagen Hilfe zur Selbsthilfe leistet. "Wir wollen das aktivierende Sozialstaatsmodell, indem die Menschen ihre Chancen selbst wahrnehmen", so Weigel. Zum Forderungskatalog der ersten Standortbestimmung seit der Regierungsbeteiligung gehören kostenlose Kitas, Gemeinschaftsschulen, der Verzicht auf Studienge bühren und mehr Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt.
In der Debatte um das neue Grundsatzprogramm der Bundes-SPD will Sachsens SPD angesichts des Rechtsextremismus mehr Lust auf Demokratie machen ein. "Demokratie muss sexy sein", sagt Weigel. "Die Menschen sollen spüren, dass eine Beteiligung der Bürger an Politik und Gesellschaft erfüllend sein kann."