Durch die Inklusion wird an Sachsens Schulen einiges anders. Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) will für Kinder mit Handicap "so viel gemeinsamen Unterricht an der Regelschule wie möglich und so viel Unterricht an der Förderschule wie nötig".

Der Entwurf des neuen Schulgesetzes enthält deshalb eine wichtige Neuerung: den lernzieldifferenten Unterricht an Oberschulen. Damit sollen auch Förderschüler mit Lernschwäche und geistiger Behinderung an Oberschulen nach besonderen Lehrplänen mitlernen. Damit wird diesen beiden Schülergruppen die Tür zur integrativen Schule geöffnet - sie haben bislang nur die Möglichkeit Förderschule.

Mehr Eltern sollen so frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder an Förderschulen oder Regelschulen schicken wollen. Ministerin Kurth sieht dadurch "das Recht der Eltern bei der Wahl des Bildungsortes gestärkt". Vorausgesetzt allerdings, die Regelschulen in der Nähe erfüllen die nötigen Voraussetzungen.

Bislang müssen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf überwiegend die Förderschule besuchen. Diese Praxis ist seit Langem umstritten. Die meisten Kinder, die an Schulen für Lernbehinderte landen, stammen aus schwierigen Milieus. Damit diese Kinder nicht dauerhaft auf der Strecke bleiben, wird gerade in SPD-geführten Ländern immer wieder an der Institution Förderschule gerüttelt.

Indes, so laut die Forderungen, diese Schulform abzuschaffen, so sehr wird die Förderschule auch geschätzt. In Nordrhein-Westfalen ziehen wieder mehr Eltern die Förderschule vor. Dahinter steckt die Überzeugung, hier fänden ihre Kinder bessere Bedingungen als an der Regelschule.

Sachsens CDU-SPD-Regierung hat die Abschaffungs-Debatte schon im Koalitionsvertrag beigelegt. Die 135 Förderschulen im Land hätten sich als Lernorte für vielfältige Formen des sonderpädagogischen Förderbedarfs bewährt, heißt es dort: "Eine grundsätzliche Abschaffung der Förderschule in Sachsen schließen wir aus."

Dass stattdessen die Förderschulpflicht fallen soll, begrüßt SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig. Die Häuser dienten damit "nicht länger als bequeme Abschiebe-Orte", sagt er.

Derzeit können lediglich Kinder mit Körperbehinderung, Problemen in der emotionalen und sozialen Entwicklung, beim Hören und Sehen sowie bei der Sprache integrativ an Oberschulen und Gymnasien mitlernen. Sie haben dieselben Lernziele wie ihre Mitschüler, machen also einen Haupt- oder Realschulabschluss oder auch Abitur.

Die Schulgesetznovelle steckt derzeit in der Anhörungsphase. Parallel dazu stellt Ministerin Kurth den Entwurf bis März auf mehreren Bürgerdialogen vor. Geplant ist, dass das fertige Gesetz zum Schuljahresbeginn 2017 in Kraft tritt.