Cora vom Reuterstein flitzt durch das Unterholz im Wermsdorfer Wald. Zu sehen ist der Hund nicht mehr, aber plötzlich fängt er an zu bellen. "Das ist der Spurlaut", sagt Jäger Christoph Seifert. Es dauert nicht lange, und dann kommen drei Wildschweine in vollem Lauf.

Cora vom Reuterstein, die dreijährige Schwarzwildbracke, springt im sicheren Abstand hinterher. Seifert und seine Kollegen vom Staatsbetrieb Sachsenforst sind zufrieden. Coras Einsatz war eine Übung. Der dreijährige Hund hat sich im neuen Schwarzwildgatter gut geschlagen. In der Anlage sollen künftig Jagdhunde für die Wildschweinjagd ausgebildet werden.

"Der Bestand an Wildschweinen in Sachsen ist steigend", sagt Andreas Padberg, Leiter des Forstbetriebes Leipzig bei Sachsenforst. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen wie Mais führe dazu, dass Schwarzwild günstige Lebensbedingungen vorfinde. Das wiederum hat Folgen für die Landwirtschaft - die Bauern klagen vermehrt über Wildschäden. Statistiken darüber gebe es aber nicht, teilt das sächsische Agrarministerium mit. "Mit der Jagd wollen wir unseren Beitrag zur Verringerung der landwirtschaftlichen Schäden leisten", sagt Padberg.

Bislang gab es in Sachsen noch kein Ausbildungsgatter. Die Anlage im Kreis Nordsachsen ist 60 000 Quadratmeter groß. Drei Wildschweine sind aus dem Leipziger Wildpark in das umzäunte Areal bei Wermsdorf umgezogen. Ab April 2016 soll dort der Übungsbetrieb losgehen. Die Hunde sollen "am Wild arbeiten", wie die Jäger es ausdrücken. Sie sollen die Wildschweine aufspüren, laut geben und sie treiben, sodass der Jäger auf dem Hochsitz anlegen kann.

Nach Angaben von Sachsenforst wurden im Jagdjahr 2014/15 rund 27 000 Sauen erlegt, im Jahr davor waren es 26 000.

Im Jagdjahr 1991/92 seien dagegen nur 14 000 Wildschweine geschossen worden. Erlegt werden die Tiere bevorzugt bei sogenannten Drückjagden. Dabei ziehen viele Jäger mit bis zu 80 Hunden und Treibern los und versuchen, so viele Tiere wie möglich zu schießen. "Das ist tierschutzgerechter als wenn sie jeden Abend im Einzelansitz das Wild stören", sagt Padberg. Das 120 000 Euro teure Schwarzwildgatter sei Trainingscamp und Prüfungsparcours in einem. Längst nicht jeder Hund könne für die Wildschweinjagd eingesetzt werden. Und auf jeden Fall müsse trainiert werden. "Das Schwarzwild ist sehr wehrhaft und sehr gefährlich", sagt Padberg. Wenn sich ein Keiler in freier Wildbahn seiner Größe und Kraft besänne und auf einen untrainierten Hund losginge, dann stünden die Chancen für den Hund sehr schlecht. Cora vom Reuterstein hat die Sache schon gut raus. Für die drei Wildschweine wird ihr Einsatz auch gut ausgehen. Sie sind nur zum Üben im Gatter und sollen dort alt werden.