Auf eine solche Zunahme seien die EU-Außengrenzen bislang nicht vorbereitet. In einem Papier, das vom Kabinett verabschiedet wurde, wird der Ausbau der Eisenbahnverbindung zwischen Dresden und Görlitz für eine Geschwindigkeit von mindestens 160 km/h gefordert, für den Güterverkehr sei vorrangig die Strecke von Hoyerswerda über Horka nach Kohlfurth auszubauen. Als weitere Projekte werden unter anderem der Bau der A 17 nach Prag sowie die Bundesstraße B 178 nach Zittau genannt.
"Sachsen gut auf EU-Erweiterung vorbereitet", war die Erklärung überschrieben, mit der Ministerpräsident Milbradt nach der Kabinettssitzung vor die Presse ging. Was der Ministerpräsident dann aber zu sagen hatte, hörte sich nicht nach guter Vorbereitung an. Der Ministerpräsident fürchtet offensichtlich, Sachsen könnte nach der EU-Erweiterung wegen des noch niedrigeren Bruttoinlandsprodukts der Beitrittsländer schlechter gefördert werden als bisher und warnt vor dem "Sandwich-Effekt", Sachsen eingeklemmt zwischen den hoch geförderten neuen Mitgliedsstaaten und dem infrastrukturell gut ausgebauten Westen. Deshalb sollten auch nach 2006 wenigstens die Grenzregionen Ziel-I-Gebiet bleiben, die von der EU mit den meisten Fördermitteln bedacht werden.
Sachsen will jetzt den Kontakt mit etwa 20 anderen Regionen in Europa suchen, denen ebenso der Verlust des Ziel-I-Förderstatus droht, um gemeinsam Druck auf Brüssel auszuüben. Als Sonderregelung müsse eine Öffnungsklausel geschaffen werden, heißt es, um die eigene Rechtsordnung dem Nachbarland anpassen und grenzüberschreitende Wirtschaftsräume entstehen lassen können, das geplante "Osteuropazentrum für Wirtschaft und Kultur" solle in Leipzig angesiedelt werden.
Beim Ausbau der Verkehrswege will Sachsen nicht nur die grenzüberschreitenden Bundesstraßen im neuen Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt wissen, dessen Einzelheiten der Staatsregierung noch gar nicht bekannt sind. Nach den Vorstellungen Milbradts soll die Bundesregierung auch für grenzüberschreitende Staats- oder Kreisstraßen zahlen.
Außerdem mahnt Sachsen eine engere Zusammenarbeit der Polizeidienste mit den Beitrittländern an. Die innere Sicherheit sei wichtig für die Akzeptanz der EU-Erweiterung. Der Bund dürfe sich nicht aus der Grenzsicherung zurückziehen. Die Bürger und die Wirtschaft sollen durch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung der Industrie- und Handelskammern besser über die Chancen der EU-Erweiterung informiert werden.