Ende November bekam das Thema in Sachsen wieder Aktualität. In Bautzen fanden Mitarbeiter des Krankenhauses frühmorgens ein totes Neugeborenes in der Babyklappe. Zwei Tage später lag ein wenige Stunden alter Säugling im Ambulanzeingang des Diakonissenhauses Dresden - das Kleine ist wohlauf.

Oft kommen die sechs Babyklappen, die es in Sachsen gibt, nicht zum Einsatz. Aber wenn, sorgt das für Unruhe in der Politik. Seit zwölf Jahren haben Frauen in Sachsen die Möglichkeit, ihr ungewolltes Kind anonym in einer Klinik zur Welt zu bringen oder in einer Babyklappe abzulegen. Aber die Einrichtungen, die das anbieten, bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Anonyme Geburten sind weder erlaubt noch verboten.

Am Freitag debattierte der Landtag in Dresden nun einen Antrag der schwarz-gelben Regierungskoalition zur Zukunft der anonymen Angebote für Frauen. Einhellige Linie über Fraktionsgrenzen hinweg: Keine weiteren Babyklappen, aber Bestandssicherung für die bereits vorhandenen. Von einer Legalisierung wollte dabei niemand sprechen, stattdessen nutzten alle die etwas verschämte Wendung von "mehr Rechtssicherheit" für die Betreiber.

Für Aufregung sorgte eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Von 200 Kindern, die bundesweit in Babyklappen abgelegt oder anonym geboren wurden, ist der Verbleib ungeklärt. Laut Sozialministerium existieren in Sachsen Babyklappen in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Plauen, Bautzen und Aue. Nach neuesten Zahlen wurden darin 44 Kinder abgelegt: davon 21 im Klinikum Chemnitz, 16 beim Verein Kaleb in Dresden und fünf im Leipziger Klinikum St. Georg.