"Wir werden alle Fälle fördern", kündigte Clauß an. Ob es eine Aufstockung gebe, falls der geplante Etat nicht ausreiche, ließ die Ministerin offen. Seit 2004 werden medizinische Hilfen bei einem unerfüllten Kinderwunsch nur noch zur Hälfte und ab der vierten Behandlung gar nicht mehr von den gesetzlichen Kassen übernommen. Daher ging in Sachsen die Zahl der künstlichen Befruchtungen von 2003 mit 2850 Fällen bis 2007 um 1700 Fälle zurück. Jeder dritte Versuch einer künstlichen Befruchtung ist jedoch nach Angaben des Dresdner Reproduktionsmediziners Hans-Jürgen Held erfolgreich. Gegen soziale Selektion "Die Finanzierung des Eigenanteils für die erste Behandlung ist den Paaren noch möglich und zumutbar", sagte Clauß. Der bislang nötige Eigenanteil von jeweils rund 1600 Euro bei zwei weiteren Behandlungen bedeute jedoch eine soziale Selektion, die nicht hingenommen werden dürfe, betonte Clauß. "Wir freuen uns über jedes Kind." Sie hoffe, dass auch andere Bundesländer dem bislang einmaligen Beispiel Sachsens folgen. Bundesweit würden derzeit rund 6000 Kinder weniger geboren. Die finanzielle Unterstützung wird allerdings nur verheirateten Paaren gewährt, auch wenn andere Formen rechtlich durchaus möglich wären. Die Eingriffe müssen in einer sächsischen Einrichtung durchgeführt werden. Sie sind in den Uni-Kliniken in Leipzig und Dresden sowie in fünf Spezialpraxen in Dresden, Leipzig und Chemnitz möglich. Anträge können über die behandelnden Mediziner gestellt werden. Die finanziellen Beihilfen werden allerdings nur jenen Paaren gewährt, die seit mindestens einem Jahr in Sachsen leben. Frauen dürfen nur zwischen 25 und 40 Jahren alt sein, Männer zwischen 25 und 50 Jahren. 2007 wurden in Sachsen knapp 34 000 Kinder geboren - Tendenz steigend.