In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Jugendhaus bringt die Präventions-Fachstelle in der Messestadt interessierte Jugendliche mit Menschen zusammen, die Drogenerfahrungen haben oder hatten. In einem Fünf-Tage-Camp lernen sie sich kennen.
Später sollen die Jugendlichen den Kontakt weitgehend unabhängig ausnutzen, um im Bekanntenkreis ihr Wissen über die Gefahren von Drogen zu vermitteln.

Themen-Abende an Schulen
Unter anderem gebe es dann Themen-Abende an Schulen, bei denen Betroffene von sich berichten, erklärte Cathleen Conrad, die das "free your mind"-Projekt der Präventions-Fachstelle organisiert. Auch für Gisela Creutz in der Präventions-Fachstelle in Dresden sind Multiplikatoren wichtig. Dazu sei dieses Schuljahr im Manfred-von-Ardenne-Gymnasium in Riesa ein in Schleswig-Holstein abgeschautes Projekt angelaufen, dass Lehrer und Eltern schulen soll, Drogenprävention im Alltag zu leisten. Schülermultiplikatoren wie in Leipzig gibt es in Chemnitz schon seit 1996. Auch dort sollen interessierte Schüler in Schulen und Cliquen aktiv werden. In Arbeitsgemeinschaften werden ihnen Kenntnisse für die präventive Arbeit vermittelt. Mitarbeiter der Mobilen Drogenprävention der Stadtmission Chemnitz sind ihre Ansprechpartner.

Leipzig ist Brennpunkt
Nach Angaben des Sozialministeriums kommen in Sachsen jährlich mehr als 50 Prozent der jugendlichen und erwachsenen Ratsuchenden wegen Problemen mit Alkohol in die 47 Drogen-Beratungsstellen und nur etwa 17 Prozent wegen illegaler Drogen. Brennpunkt sei die Stadt Leipzig. Zumeist seien es Jugendliche, die auch illegale Drogen zu sich nehmen. Der Schwerpunkt bei den Erwachsenen liege eindeutig beim Alkohol. Aus ihrer Erfahrung berichtet Conrad, dass in Leipzig bereits 12-bis 13-Jährige ohne zuvor auffälligen Konsum anderer Drogen wie Nikotin, Alkohol, Haschisch oder Marihuana sogar zum Heroin gekommen seien. Im vergangenen Jahr habe es in der Messestadt durch den Missbrauch solcher verbotener Drogen 16 Tote gegeben. Leipzig gilt neben Halle und Berlin als Schwerpunkt der Heroinsucht in Ostdeutschland.
In ganz Sachsen wurden seit 1994 nach Angaben des Ministeriums 63 Todesfälle durch illegale Drogen gezählt. Die Gründe für den Griff von Kindern nach legalen Drogen wie Tabak und Alkohol sind nach Ansicht der Leipziger Psychologin Anne Petersein vielfältig. Soziale Konflikte seien ein Grund: "Drogen und Krisen gehören zusammen." Der Großteil der Sozialhilfeempfänger seien Kinder, wirtschaftliche Krisen schlügen sich auf die Drogen-Statistik nieder.

Schere geht weiter auseinander
Fehlende Perspektiven und hoher Leistungsdruck schon im Grundschulalter seien ebenfalls Gründe. Außerdem seien immer mehr Kinder frühreif. "Die Schere zwischen der biologischen und der psychologischen Reife geht erwiesenermaßen immer weiter auseinander", sagt die promovierte Psychologin.