Sachsen hat den Tag der Deutschen Einheit mit Festveranstaltungen und der Enthüllung von „Wendedenkmälern“ gefeiert. Bei der traditionellen Feierstunde im sächsischen Landtag warb der einstige Mitbegründer des Neuen Forums und heutige Grünen-Europaabgeordnete Werner Schulz für den „Ausbau der Einheit Europas“.

Während in Städten wie Zwi-ckau und Aue neue Denkmäler zur Erinnerung an die Wiedervereinigung enthüllt wurden, erfuhr Plauen in Bonn bundesweite Anerkennung: Bei der Verleihung der diesjährigen Einheitspreise bekam die Vogtlandstadt den Sonderpreis der Jury. Damit wurde die Zivilcourage der Bevölkerung gewürdigt, die sich am DDR-Nationalfeiertag, dem 7. Oktober 1989, trotz Stasi, Volkspolizei und Wasserwerfern nicht daran hindern ließ, für ein Ende der SED-Diktatur zu demonstrieren.

Plauen nimmt für sich in Anspruch, im Oktober 1989 Schauplatz der ersten großen Demon-stration gewesen zu sein. „In der öffentlichen Wahrnehmung standen die Plauener im Schatten von Leipzig und Berlin, aber sie markierten den Wende-Punkt im dramatischen Revolutionsherbst von 1989“, urteilte die Jury des von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgelobten Preises.

Der sächsische Landtag hatte mit Werner Schulz einen der Protagonisten der Friedlichen Revolution als Festredner geladen. „Wir sind ein Volk“, das war unser „Yes, we can“, sagte der Mitbegründer des Neuen Forums. Die deutsche Wiedervereinigung stellte er in den Zusammenhang mit der europäischen Entwicklung und würdigte sie als „erste Osterweiterung der EU“.

Er erinnerte zugleich daran, dass die Deutsche Einheit „Geburtshelfer“ für den Euro war. „Es gibt kein Zurück in die Bonner Republik“ und zur D-Mark. „Ein Bruchteil dessen, was wir für den Aufbau Ost aufgebraucht haben, würde Griechenland helfen“, fügte Schulz hinzu, der seit zwei Jahren für die Grünen im Europa-Parlament sitzt. Schulz sprach vor etwa 350 Gästen, darunter Mitglieder aller sechs Landtagsfraktionen. Das Parlament begeht den Tag der Deutschen Einheit traditionell mit einer Feierstunde und einem auswärtigen Gast.