Die sächsischen Musikschulen haben immer größere Schwierigkeiten, gutes Fachpersonal zu bekommen. "Die Musikschulen in den beiden Großstädten sind davon weniger betroffen, im ländlichen Raum jedoch gibt es mittlerweile große Probleme", sagt Jörg Clemen, Geschäftsführer des Landesverbands Sachsen im Verband deutscher Musikschulen. Junge Lehrer bekämen keine Fest anstellung und könnten sich keine berufliche Existenz aufbauen, die Pendelei zwischen verschiedenen Unterrichtsorten sei unattraktiv.

Stark zugenommen hat nach Clemens Worten die Zahl der freiberuflich tätigen Musiklehrer. Das hat für die Musikschulen Konsequenzen: Kontinuität, Planbarkeit, Absicherung der Unterrichtsangebote ließen sich immer schwieriger realisieren. "Die Möglichkeiten des gemeinsamen Musizierens nehmen ab und berühren damit Kernbereiche einer öffentlichen kommunalen Musikschule", betont der Verbandsgeschäftsführer. Freiberufler seien dafür schwerer zu gewinnen, Konzerte mit den Schülern zu gestalten. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Fest anstellungen und der Qualität einer Musikschule."

Dabei spielt auch Geld eine nicht unbedeutende Rolle. Ein Großteil der Etats der Musikschulen werden durch die kommunalen Träger und die Elternbeiträge aufgebracht. "Bedingt durch die Stagnation der Förderung durch den Freistaat gerät die Finanzierung der Musikschulen zunehmend in eine Schieflage", warnt Clemen. Der Zuschuss des Landes von jährlich rund fünf Millionen Euro sei in den vergangenen 13 Jahren nahezu unverändert geblieben. "Um ihre gesellschaftlichen Aufgaben auch künftig in der gebotenen Qualität leisten zu können, wird eine Erhöhung der Förderung dringend für nötig erachtet", so Clemen.

Der Landesverband fordert von der Landesregierung deshalb, die Förderung um eine Million Euro pro Jahr aufzustocken. "Mit dann sechs Millionen Euro wäre die Förderquote des Jahres 2002 wieder hergestellt", erklärt der Geschäftsführer des Landesverbands.

Habe die Quote damals 13,9 Prozent am Gesamthaushalt der Musikschulen betragen, sei sie bis 2014 auf 10,9 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum sei die Schülerzahl trotz des Bevölkerungsrückgangs im Land auf fast 50 000 gestiegen.

An den 24 kommunalen öffentlichen Musikschulen Sachsen lernen fast 50 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein Instrument, Singen und Tanzen. An 440 Unterrichtsorten stehen nach Angaben des Landesverbands Sachsen 840 Unterrichtsstätten zur Verfügung. Dort werden im Jahr mehr als eine Million Unterrichtsstunden erteilt, die Hälfte davon von den etwas mehr als 600 fest angestellten Pädagogen, die andere Hälfte von Freiberuflern. Außerhalb des Unterrichts werden jährlich fast 5000 Veranstaltungen organisiert, an denen etwa 85 000 Schüler mitwirken. Dabei werden bis zu eine Million Besucher gezählt. Beliebteste Instrumente sind nach wie vor Klavier, Gitarre und Geige, ein kontinuierliches Wachstum gibt es im Bereich Rock/Pop. Aber auch andere Instrumente wie etwa die Harfe oder die Tuba stehen auf den Listen der Musikschulen.