Vier sachsenweite Band-Wettbewerbe, eine Pop-Musik-Messe in Dresden und immer wieder Versuche, eine Lobby für die Pop-Musik in Sachsen zu schaffen - doch jetzt ist es genug: "Es geht nicht mehr, wir müssen auch an uns denken", sagt Steffen Peschel von der Beatzentrale Sachsen resigniert. Ehrenamtlich hat er die Wettbewerbe mitorganisiert, "ein ganzes Jahr, jeden Tag" Arbeit und Zeit investiert. Doch die erhofften Finanzhilfen des Freistaats blieben aus. Eine bessere Netzwerkstruktur und eine staatliche Förderung von Pop-Musik wünscht sich Peschel und ist damit nicht allein. Im Landtag setzt sich derzeit die Linke-Fraktion für die Gründung eines "Pop-Büros" in Sachsen nach dem Vorbild vergleichbarer Institutionen in Baden-Württemberg, Hamburg und Bayern ein. Nach dem Vorschlag der Linke-Landtagsabgeordneten Julia Bonk soll dieses als Anlaufstelle für Künstler und Veranstalter dienen. Am Donnerstag wird es dazu eine Experten-Anhörung im Kulturausschuss des Landtags geben. Ein solches Netzwerk hat die Beatzentrale bereits versucht aufzubauen. "Wir wollten Menschen aus Musik, Kultur, Jugendarbeit und Wirtschaft zusammenbringen", erklärt Peschel. Doch die Idee sei langfristig am Geld gescheitert, da es keine spezielle Pop/Rock-Förderung gebe. Zwar existierten die unterschiedlichsten Mittel, doch um die komplizierten Antragsverfahren zu durchlaufen, "bräuchte man eine halbe Stelle". "Wir haben schon überlegt, den Verein aufzulösen", sagt Peschel, der im Landtagsausschuss als Sachverständiger geladen ist. Auch Sebastian Schwerk will als ehrenamtlicher Projektleiter der "Scheune-Akademie" Dresden den Austausch zwischen Wirtschaft, Musik und Politik verbessern. Er setzt dabei vor allem auf Wissensvermittlung, Netzwerke und gezielte Projektförderung. "Die Musikwirtschaft ist in Sachsen nicht am besten ausgeformt. Die meisten Labels sind Hobby-Projekte", weiß Schwerk aus Erfahrung. Deswegen kennen sich viele Musiker in wirtschaftlichen Fragen wenig aus. Dabei sei das musische Potenzial in Sachsen "sehr hoch, höher als in anderen Regionen". Ein landesweites Pop-Büro wäre eine Möglichkeit, um die notwenige Kommunikation herzustellen und Fachwissen zu vermitteln. Der Chemnitzer Musiker Holm Krieger ist da eher skeptisch. "Ein Pop-Büro unterstützt hauptsächlich die Region, in der es seinen Sitz hat", befürchtet er. Bands aus kleineren Städten werde damit wenig geholfen. Krieger will lieber "im Kleinen anfangen" und direkt hinschauen, was die Bands brauchen. Und da sei eine Förderung auf kommunaler Ebene am besten geeignet. "Man muss sich fragen, wo man die Leute erreichen kann. Mit alten Bussen, die die Stadt für Konzerte günstig zur Verfügung stellt, wäre vielen geholfen", ist sich Krieger sicher. Ganz praktisch müsse Bands beim Bühnenaufbau, Plakatieren und Buchen unter die Arme gegriffen werden. Viel mehr als "Absichtserklärungen ohne Folgen" habe es seitens der Politik jedoch bislang nicht gegeben. Das Kultusministerium sieht es nach eigenen Angaben "derzeit als nicht erforderlich an, ein dezidiertes Förderprogramm zur Jugend-Pop-Musikförderung einzurichten". Die Förderung von Pop-Musik werde als "Querschnittsaufgabe von Jugendarbeit" betrachtet, sagte eine Ministeriumssprecherin. In der Schuljugendarbeit sei es möglich, Fördergelder für Jugendbands zu beantragen.