Die Gagen der Musiker sollen, so heißt es, in die Sanierung des Gebäudes fließen, die Künstler gäben sich mit einer Spendenquittung zufrieden. Am Abend wird verkündet, inklusive Firmenspenden seien 42 000 Euro zusammengekommen. Schöner Tag. Die wahren Hintergründe der Aktion waren möglicherweise weniger erfreulich. Gestern Nachmittag zumindest sitzt Kaminskis Parteifreund Hermann Winkler vor Journalisten in der Parteizentrale der Sächsischen CDU und erklärt, es gebe „schönere Momente im Leben eines Generalsekretärs“ , als sich zu jetzt bekannt gewordenen Vorwürfen zu äußern. Denn unklar ist laut einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ , ob überhaupt Geld geflossen ist und wenn ja, wieviel und wohin. Die Witwe des 2002 verstorbenen Fips Fleischer weiß jedenfalls trotz intensiver Bemühungen keine Antwort auf diese Fragen. Kaminski erwähnt nun unklare Zahlungen auf das Gesamthaushaltskonto der Stadt und spricht von 20 000 Euro für Blitzschutz.
Offenbar geht es auch um eine Parteispendenaffäre. Denn nach allem, was man bisher weiß, stellte nicht der Freundeskreis Kongresshalle für jenen Tag Spendenquittungen aus, sondern der CDU-Kreisverband, was, wenn es stimmt, illegal wäre. Die für die ordnungsgemäße Verbuchung von Parteispenden zuständige Bundestagsverwaltung unter Präsident Wolfgang Thierse (SPD) prüft bereits die Leipziger Vorgänge. Und nicht nur das.
Die Staatsanwaltschaft Leipzig führt seit Mitte Januar ein Prüfverfahren gegen Kaminski. Damals wurde bekannt, dass der OB-Kandidat an den Geschäftsmann und Wahlkampfhelfer Roland Poser für die Vermittlung eines Zentralstadion-Investors eine Millionen-Provision zahlte. Die Ermittler prüfen nun auch im Zusammenhang mit den Parteispenden, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt, wie Oberstaatsanwalt Norbert Röger sagt. Es könnte sich um illegale Parteispenden und um Steuerhinterziehung handeln.
Gleichzeitig hat die CDU die Sächsische Revisions- und Treuhand GmbH beauftragt, die Buchführung der Leipziger Parteifreunde von 1997 bis 2000 zu durchleuchten - schließlich ist im September Landtagswahl und die Union will sich keine neue Affäre leisten. Der Landesverband fordert jetzt, dass Kaminski und der CDU-Kreischef Hasso Schmidt bis morgen Stellung beziehen. Es gebe „weiteren Klärungsbedarf“ , sagt General Winkler, denn Kaminski bestreite die Vorwürfe. Zudem müssten „Unterlagen zu mehreren Veranstaltungen“ geprüft werden. Ein erstes Ergebnis soll der Landesvorstand morgen Abend diskutieren - Ausgang offen.
Sachsens-SPD Spitzenkandidat Thomas Jurk forderte die CDU bereits auf, sich von Kaminski zu trennen, und PDS-Konkurrent Peter Porsch kritisiert, „schwarzer Filz“ im Freistaat sei Realität: „Eine Hand beschmutzt die andere“ . Kaminski sei nur ein Bauernopfer, das vielleicht „schon woanders eine Stelle hat“ .