Sachsen lehnt auch die überarbeiteten Pläne für eine Staustufe in der Elbe bei Decín (Tschechien) ab. "Der Bau hätte negative Auswirkungen auf die Umwelt bis nach Sachsen", sagte Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Donnerstagabend zur Begründung der ablehnenden Haltung des Freistaates. Geschützte Tierarten wie Biber oder Lachs hätten unter den Auswirkungen einer Staustufe zu leiden. Befürchtet würden auch negative Folgen für die Wasserqualität. Das Bundesumweltministerium unterstütze die Haltung Sachsens.

Der Bau der Staustufe mit einer Wasserkraftanlage ist seit Jahren umstritten. Sie soll bei Decín - elf Flusskilometer vor der Grenze zu Sachsen - entstehen, damit die Elbe in Tschechien das ganze Jahr über für den Schiffsverkehr genutzt werden kann. Das Bauwerk soll nach früheren Angaben etwa 220 Millionen Euro kosten, Tschechien hofft auf Geld von der Europäischen Union. Wirtschaftsvertreter unterstützen das Vorhaben. In Tschechien gibt es bereits 24 Staustufen in der Elbe. In Deutschland ist die bei Geesthacht in Schleswig-Holstein die einzige. Die Entscheidung über den Bau wird letztlich in Tschechien getroffen. Sachsen will mit dem Nachbarland allerdings weiter im Gespräch bleiben, machte Kupfer deutlich.

Sachsens Umweltexperten führen vor allem den Artenschutz ins Feld: Die im Freistaat lebenden Biber etwa bräuchten den genetischen Austausch mit ihren Artgenossen auf der tschechischen Seite. Die aber lebten unmittelbar im Bereich der Staustufe, ihr Lebensraum werde durch die Anlage erheblich gestört, so die Argumentation.

Betroffen wären auch geschützte Fische wie Lachs oder Neunauge. Der Lachs beispielsweise hat seine historisch angestammten Laichgewässer oberhalb der Staustufe. Seine Wanderung in Richtung Atlantik würde erheblich gefährdet, weil die Schutzmaßnahmen an der Staustufe nach Ansicht der sächsischen Experten nicht ausreichen. Das schlimmste Szenario: Die 15 bis 20 Millimeter langen Junglachse geraten in die Turbinen.

"Wir haben nur eine Umwelt, und die muss man erhalten", sagte Ressortchef Kupfer. Er habe die Hoffnung, dass die Europäische Union eingreift, so sich Tschechien trotz der auch von zahlreichen Umweltverbänden geäußerten Bedenken für den Bau entscheiden sollte. Denn in den Unterlagen aus Tschechien fehle der Nachweis, dass Bau und Betrieb der Staustufe mit den Zielen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie vereinbar sei. Die verbiete, dass die Wasserqualität sinkt. Das sei aber zu befürchten.