Ende November bekam das Thema in Sachsen wieder Aktualität. In Bautzen fanden Mitarbeiter des Krankenhauses frühmorgens ein totes Neugeborenes in der Babyklappe. Zwei Tage später lag ein wenige Stunden alter Säugling im Ambulanzeingang des Diakonissenhauses Dresden - das Kleine ist wohlauf.

Oft kommen die sechs Babyklappen, die es in Sachsen gibt, nicht zum Einsatz. Aber wenn, sorgt das für Unruhe in der Politik. Seit zwölf Jahren haben Frauen in Sachsen die Möglichkeit, ihr ungewolltes Kind anonym in einer Klinik zur Welt zu bringen oder in einer Babyklappe abzulegen. Aber die Einrichtungen, die das anbieten, bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Anonyme Geburten sind weder erlaubt noch verboten. Das soll sich nun ändern.

Am Freitag debattierte der Landtag in Dresden einen Antrag der schwarz-gelben Regierungskoalition zur Zukunft der anonymen Angebote für Frauen. Einhellige Linie über die Fraktionsgrenzen hinweg: Keine weiteren Babyklappen - aber Bestandssicherung für die bereits vorhandenen. Von einer Legalisierung wollte dabei niemand sprechen, stattdessen nutzten alle die etwas verschämte Wendung von "mehr Rechtssicherheit" für die Betreiber.

Für Aufregung sorgte im Januar eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Die lieferte besorgniserregende Zahlen: Von 200 Kindern, die bundesweit in Babyklappen abgelegt oder anonym geboren wurden, blieb der Verbleib ungeklärt. Für die Träger, die Babyklappen betreiben und anonyme Geburten anbieten, war das ein Schock. Sie hielten dagegen, dass sie von den Jugendämtern üblicherweise nicht informiert würden, wo diese Kinder schließlich unterkämen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) kündigte daraufhin eine Gesetzesänderung an: Schluss mit anonymen Geburten, stattdessen sollen Frauen nur noch die Möglichkeit zur "vertraulichen Geburt" haben. Sie müssen dabei ihre Personaldaten hinterlassen, können aber eine Zeitlang anonym bleiben. Damit hätten die Kinder ab einem gewissen Alter die Chance zu erfahren, wer ihre Eltern sind.

Aber in dieser Pflicht zur Datenangabe sehen die Sachsen ein großes Problem. "Der Gesetzentwurf befriedigt uns in keine Weise", sagte die CDU-Familiensprecherin Karin Strempel gegenüber der RUNDSCHAU. "Ich sehe dabei die Gefahr, dass Frauen dieses Angebot nicht mehr nutzen, weil sie ihre Daten abgeben müssen."

Diese Bedenken äußerten auch die Oppositions-Fraktionen. Die SPD-Sozialpolitikerin Dagmar Neukirch teilte die Auffassung, dass eine rechtliche Regelung nötig ist, "damit nicht noch mehr Menschen weiterhin in einer Grauzone agieren, obwohl sie nur anderen Menschen helfen wollen". Auch die Grünen-Abgeordnete Annekathrin Giegengack stimmte zu: "Wir senden damit das Signal, dass wir in Sachsen zur Babyklappe stehen. Das ist nicht selbstverständlich." Dennoch sollte das Angebot nicht ausgeweitet werden, so Giegengack.

Laut Sozialministerium existieren in Sachsen sechs Babyklappen in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Plauen, Bautzen und Aue. Nach neuesten Zahlen wurden darin 44 Kinder abgelegt. 21 davon im Klinikum Chemnitz, beim Verein Kaleb in Dresden 16, im Leipziger Klinikum St. Georg fünf.