Die Stabsstelle, in der die Fäden der sächsischen Asylpolitik zusammenlaufen, bekommt ein eigenes Gewicht. Der Leiter, Dirk Diedrichs, muss sich ab sofort nicht noch um die Abteilung Recht und Kommunales im Innenministerium kümmern. Er wird allein zuständig für alle Fragen rund um die Asylbewerber.

Von einer "Dimension, die alles Dagewesene übersteigt", sprach Innenminister Markus UIbig (CDU) am Dienstag in einer Krisensitzung des Landtags. An die 10 000 Erstaufnahmeplätze seien derzeit nötig - noch im Februar rechnete man mit 2400. "Mittlerweile brauchen wir jede Woche fast 500 Plätze zusätzlich", so Ulbig. Doch bis zur Zielmarke ist es noch weit. Bis Ende Oktober sollen die Bewohner der Zeltstadt am Dresdner Alberthafen unter feste Dächer kommen. Unterkommen werden sie wohl in den Erstaufnahmelagern und "verschiedenen Interimsstandorten Wetter", kündigte Ulbig an.

Entsprechend blank liegen die Nerven in den Behörden. Neben der Unterbringung der Menschen klemmt es bei der Polizei an allen Ecken. Asylbewerberheime müssen nicht nur in Heidenau bewacht werden von einer erschöpften Truppe. Damit dort am Freitag doch noch ein Willkommensfest steigen konnte, mussten Ulbig und die Polizeiführung an die Reserven gehen. Mit dem ausgerufenen Polizeinotstand blamierte sich Sachsen bundesweit. Der Minister steht mit dem Rücken zur Wand, die Kritik an seiner Amtsführung reißt nicht ab. Kommunen und Öffentlichkeit regen sich seit Monaten auf über kurzfristige Ansagen zu Unterkünften.

Über seine Veränderungen hat Ulbig Dienstag das Kabinett informiert. Die nun eigenständige Stabsstelle Asyl soll sich um alles kümmern, was derzeit im Argen liegt. Neben Sicherheit und Ordnung fallen auch Unterbringung und Suche nach geeigneten Objekten in ihre Zuständigkeit. Daneben Arbeitsgelegenheiten, Berufsausbildung und Qualifikation sowie die Kommunikation.