Energie-Profi Markus Brzenska hatte am Freitag Telefondienst. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ihn seine Teamkameraden anrufen, als langzeitverletzter Führungsspieler war er in den vergangenen ernüchternden Wochen häufig der Ansprechpartner für seine Kollegen. Doch so oft wie am Freitag hat sein Telefon wohl nur selten geklingelt. Brzenska musste vom heimatlichen Lünen aus alles berichten, was er über den neuen Energie-Trainer weiß. Schließlich hatte der Verteidiger vier Monate unter Bommer trainiert, als er 2008 von Borussia Dortmund zum Erstliga-Absteiger MSV Duisburg gewechselt war.

Und obwohl Bommer damals nach einem schwachen Saisonstart unter heftiger Kritik stand und relativ schnell entlassen wurde, kann Brzenska seinen Teamkollegen nur Positives berichten. Der Trainer sei in Duisburg sehr beliebt gewesen und "menschlich sowie als Trainer absolut souverän".

Diese Meinung hat Brzenska nicht exklusiv. Auch in Burghausen wird trotz des abrupten Abgangs vom 54-jährigen Coach geschwärmt. Sachlich sei er und sympathisch, heißt es aus dem 18 000-Einwohner-Städtchen in Oberbayern. Und einer, der ein Ohr für Spieler und Fans habe, sich immer Zeit nehme, Gelassenheit ausstrahle.

Vielleicht ist es genau diese Eigenschaft, die ihn für Energie Cottbus so interessant gemacht hat. Präsident Ulrich Lepsch betonte am Freitag, dass man Wert darauf gelegt habe, einen erfahrenen Trainer zu holen, der im Kontrast zum emotionalen Vorgänger Claus-Dieter Wollitz etwas sachlicher auftrete. Und auch Markus Brzenska in seiner neuen Funktion als Telefonseelsorger der Mannschaft bestätigte: "Er ist vermutlich genau der Mann, den wir jetzt brauchen. Einer, der nach der zuletzt hektischen Phase die Mannschaft wieder zur Ruhe kommen lässt."

Dennoch wird die Cottbuser Profi-Abteilung wohl nicht zur Ruhezone mutieren. Denn Bommer, der als Profi für Eintracht Frankfurt, Bayer Uerdingen und Fortuna Düsseldorf 417 Erstliga-Spiele bestritten hat, weiß auch genau, was er will - nämlich Erfolg. So wird aus Burghausen von sehr zähen Verhandlungen mit dem selbstbewussten Trainer berichtet. Erst als die Ausstiegsklausel, die ihm nun den Wechsel nach Cottbus ermöglicht, festgeschrieben wurde, sagte Bommer zu, seinen Ex-Verein 2011 in der 3. Liga erneut zu übernehmen. Eigentlich hat er höhere Ansprüche, und das schon seit er Burghausen 2002 zum Aufstieg in die 2. Bundesliga und dann zweimal zum Klassenerhalt geführt hatte.

Erfolgreiche Zeit in Duisburg
Bei einem Trainergastspiel bei 1860 München blieb danach der Erfolg für ihn zwar noch aus. Doch später in Saarbrücken formierte er den angeschlagenen Zweitligisten neu und wurde nur entlassen, weil sein bevorstehender Wechsel zum MSV Duisburg publik geworden war. In Duisburg erlebte Bommer dann die bisher erfolgreichste Phase seiner Trainerkarriere. Mit dem MSV schaffte er den Erstliga-Aufstieg. Aus vielen erfahrenen Spielern, darunter die beiden Ex-Cottbuser Georg Koch und Youssef Mokhtari, hatte er eine erfolgreiche Mannschaft geformt.

Zweieinhalb Jahre ohne Job
Doch in den folgenden anderthalb Jahren lief es schlecht. Nach der Entlassung in Duisburg blieb Bommer zweieinhalb Jahre ohne Engagement. Auch deshalb wird er bei der Anfrage von Energie Cottbus nicht allzu lange überlegt haben. Der Job in der Lausitz ist für ihn die Chance, die der ehemalige Nationalspieler unbedingt ergreifen möchte.

Dass sich zudem seine Ehefrau dem Vernehmen nach zuletzt in Burghausen nicht mehr wohlgefühlt hatte und wieder in Bommers Heimatstadt Aschaffenburg zurückgegangen ist, dürfte ihm den Abschied etwas leichter gemacht haben. Dabei hatte er Wacker nach zwei katastrophalen Jahren erfolgreich in die obere Drittliga-Hälfte geführt.

Nun schlägt Bommer sein Quartier fünfeinhalb Autostunden von seinem Heimatort entfernt auf. Er bringt neben seinem sehr guten Ruf hoffentlich auch den Erfolg mit in die Lausitz.

FCE-Präsident Ulrich Lepsch verkündet die Verpflichtung von Rudi Bommer. Das Video unter www.lr-online.de

Rudi Bommer, wie fühlt es sich an, der künftige Trainer von Energie Cottbus zu sein?

Es ist eine schöne Sache. Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe in Cottbus.

Mussten Sie lange überlegen, bevor Sie trotz des gültigen Vertrages mit Wacker Burghausen bei Energie zugesagt haben?

Nein, jeder Trainer möchte so hoch wie möglich arbeiten. Das habe ich auch in Burghausen immer so kommuniziert und auch vertraglich geregelt.

Trotzdem haben die Wacker-Fans nicht gerade gejubelt oder?

Sie sind natürlich angefressen, das kann ich verstehen. Denn wir sind in der 3. Liga gut unterwegs, haben eine konkurrenzfähige Mannschaft. Aber wie gesagt: Es war immer klar, dass ich zurück in die 2. Liga will.

Mit welchen Zielen treten Sie den Job bei Energie Cottbus an?

Zuerst möchte ich mir einen Eindruck von der Mannschaft machen. Deshalb werde ich auch am Sonntag beim Spiel in Dresden auf der Tribüne sitzen. Dann können wir über Ziele reden. Ich werde auch mit Claus-Dieter Wollitz telefonieren.

Trotzdem noch einmal gefragt: Was ist in dieser Saison aus Ihrer Sicht möglich? Energie liegt als Neunter im Mittelfeld der Tabelle.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mir erst ein genaues Bild von der Mannschaft machen möchte. Dann werden wir schauen, woran wir arbeiten müssen. Wichtig ist jedoch, dass wir zu Hause wieder gute Spiele abliefern und den Fans erfolgreichen Fußball bieten.

Energie war in den vergangenen zweieinhalb Jahren offensiv ausgerichtet. Wie sieht die Philosophie von Rudi Bommer aus?

Heutzutage will jede Mannschaft offensiv spielen, weil sich das auch gut verkaufen lässt. Ich möchte das auch. Aber ohne eine stabile Abwehr ist es schwierig, Spiele zu gewinnen.