Laut Generalstab sollen die russischen Truppen bis heute Abend aus georgischem Kernland abgezogen sein. Ausnahme sei die Pufferzone um Südossetien, die in georgisches Gebiet hineinreicht. Ein massiver Rückzug war gestern jedoch zunächst nicht zu erkennen. Bis auf ein Kontingent Friedenssoldaten, das wieder in Südossetien stationiert werde, sollten alle anderen russischen Truppen nach Russland zurückbeordert werden, so Lawrow.
Lawrow betonte weiter, Moskau wolle „die Tür zur Nato nicht zuschlagen“ . Die Allianz müsse aber zwischen einer Partnerschaft mit Russland und der Unterstützung für Georgien wählen, sagte er laut Interfax. Am Vorabend hatte die norwegische Regierung mitgeteilt, Russland wolle die militärische Zusammenarbeit mit der Nato und alliierten Ländern einfrieren. Das Militärbündnis hatte am Dienstag angekündigt, die Treffen des Nato-Russland-Rates auszusetzen. Gestern stellte Moskau die militärische Zusammenarbeit bei Übungen mit der Nato „bis auf weiteres“ eingestellt. „Die Nato hat eine offizielle Mitteilung Russlands durch militärische Kanäle erhalten“ , sagte Nato-Sprecherin Carmen Romero in Brüssel. Betroffen seien unter anderem gemeinsame Übungen zur Rettung von Schiffbrüchigen, zur Raketenabwehr und bei der Offiziersausbildung. „Die Nato nimmt das zur Kenntnis“ , sagte Romero.

Warten am Grenzposten
In Südossetien waren weiter keine Truppenbewegungen zu beobachten, die auf einen beschleunigten Rückzug der Russen hindeuteten. Ein Konvoi aus zwölf gepanzerten Lastwagen bewegte sich gestern durch den Ort Wanel in Richtung Russland, ebenso wie zahlreiche weitere Truppentransporter. Am Grenzposten Saramag warteten hingegen Dutzende aus dem Norden kommende Fahrzeuge, darunter rund 30 der russischen Armee, auf die Weiterfahrt nach Südossetien.
Auf der Straße zwischen der georgischen Hauptstadt Tiflis und der Stadt Gori waren nach wie vor russische Soldaten mit ihren gepanzerten Fahrzeugen postiert, wie ein Reporter berichtete. Die strategisch wichtige Stadt Gori war immer noch unzugänglich. Die russische Armee hat mehrere Kontrollposten auf dem Weg dorthin eingerichtet; ab dem Dorf Churwaleti, etwa zehn Kilometer vor Gori, ließ sie kein Fahrzeug passieren.
Innerhalb der georgischen Bevölkerung wuchs der Protest gegen die Anwesenheit russischer Soldaten. In mehreren Städten demonstrierten Bürger vor den Kontrollposten, wie der Fernsehsender Rustavi2 berichtete. Westliche Hilfsorganisationen beklagen weiterhin Behinderungen im Konfliktgebiet. Die Hilfsorganisation Care forderte einen „vollständig freien Zugang zu allen Gebieten in Georgien“ . Russische Soldaten hätten ausländische Helfer etwa in der Stadt Gori daran gehindert, sich frei zu bewegen. Der französische Außenminister Bernard Kouchner jedoch nannte den beginnenden Abzug der russischen Armee dennoch „ermutigend“ . Was sich am Mittwoch und gestern abgezeichnet habe, sei aber noch „nicht ausreichend“ .

Demonstration in Suchumi
In Abchasien forderten Zehntausende Menschen Russland auf, die abtrünnige Provinz als unabhängig anzuerkennen. Die Demonstranten in der Hauptstadt Suchumi stellten sich damit hinter einen Aufruf ihres selbst ernannten Präsidenten Sergej Bagapsch vom Vortag. Eine ähnliche Kundgebung war in der südossetischen Provinzhauptstadt Zchinwali geplant. Der russische Außenminister Lawrow sagte dazu, Moskau mache seine Entscheidung vom Verhalten des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili abhängig.
Der ukrainische Außenminister Wolodymyr Ohrysko forderte, Russland müsse den Abzug seiner Schwarzmeerflotte aus Sewastopol vorbereiten. Er erinnerte daran, dass der Pachtvertrag für die ehemalige sowjetische Marinebasis im Jahr 2017 ausläuft. Die Militärintervention in Georgien hatte die Spannungen zwischen Moskau und der Ukraine verschärft. (AFP/dpa/das)
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