Moskau will in den Provinzen, die Georgien weiterhin als sein Staatsgebiet betrachtet, "auf lange Zeit" 7600 Soldaten ohne gesondertes Friedenstruppen-Mandat stationieren, teilte die Regierung gestern mit.

Mit dem faktischen Verlust der Gebiete wächst in Georgien der Widerstand gegen Präsident Michail Saakaschwili. Teile der Opposition forderten erstmals nach dem verlorenen Kaukasuskrieg öffentlich den Rücktritt des prowestlichen Staatschefs.

Streit um Schuld an Kämpfen
Nach der Einigung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Kremlchef Dmitri Medwedew über den Truppenabzug aus georgischem Kerngebiet gaben sich Moskau und Tiflis weiter die Schuld am Kriegsausbruch vor einem Monat. Saakaschwili überreichte der EU-Spitze nach eigenen Angaben „handfeste Beweise“ dafür, dass sein Land den Krieg nicht begonnen habe. Vielmehr habe Georgien auf eine groß angelegte russische Invasion reagiert, sagte der Präsident bei einem Treffen mit Sarkozy und der EU-Führung in Tiflis. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete Saakasch wili daraufhin als „Lügner“.
Nach Angaben des russischen Generalstabs besitzt Moskau Dokumente, die belegen, dass Georgien bereits seit zwei Jahren eine Eroberung der abtrünnigen Regionen geplant habe. „Wir haben außerdem eine Menge Material, das bestätigt, dass die US-Streitkräfte die Aggression mit vorbereitet haben“, sagte Vize-Generalstabschef Anatoli Nogowizyn in einem Interview der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“.
Russland hatte der EU zugesichert, bis zum 10. Oktober alle Soldaten aus den Pufferzonen auf georgischem Kerngebiet abzuziehen. Offenbar setzt Moskau den Truppenrückzug bereits um. Russische Soldaten verließen nach Angaben des georgischen Innenministeriums gestern das Dorf Ganmuchuri im Bezirk Sugdidi nahe der Grenze zu Abchasien. Im Gegenzug will Brüssel bis zum 1. Oktober 200 Beobachter in die Region vor Abchasien und Südossetien entsenden.

Widerstand gegen Saakaschwili
Russlands Außenminister Lawrow kündigte nach einem Treffen mit den Präsidenten Abchasiens und Südossetiens, Sergej Bagapsch und Eduard Kokojty, an, in Kürze russische Botschafter in die Gebiete zu entsenden. Weltweit ist außer Nicaragua bislang kein Land dem russischen Beispiel einer Anerkennung gefolgt.
In Tiflis formiert sich der Widerstand gegen Saakaschwili. Die einflussreiche konservative Partei Neue Rechte brach den seit Wochen bestehenden Burgfrieden mit der Regierungspartei und forderte vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen, wie Medien in Tiflis berichteten. Saakaschwili habe „ohne Vernunft, eigenmächtig und verantwortungslos die Entscheidung zur Bombardierung Zchinwalis“, der Hauptstadt Südossetiens, getroffen, sagte Parteichef David Gamkrelidse.
Durch die georgische Militäroffensive in Südossetien sind nach Angaben südossetischer Behörden mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Eine Untersuchung habe diese Zahl bestätigt, sagte der Generalstaatsanwalt Südossetiens, Taimuras Chugajew. Aufgrund von Befragungen der Bevölkerung sei zuvor von mehr als 1600 Todesopfern ausgegangen worden. (dpa/roe)