"Es ist Putin, der meinen Sohn getötet hat."
 Litwinenkos
Vater Walter



Kowtun ist gestern in einem Moskauer Krankenhaus ins Koma gefallen. Der ehemalige Agent war am Dienstag und Mittwoch von britischen Polizisten befragt worden. Die Befragung des zweiten Hauptzeugen, Andrej Lugowoi, durch Scotland Yard fiel gestern aus. In London trugen etwa hundert Menschen den vergifteten Litwinenko zu Grabe.
Überprüfungen hätten ergeben, dass Litwinenko durch ein radioaktives Nukleid vergiftet worden sei und dass bei Kowtun ebenfalls "eine Krankheit im Zusammenhang mit einem radioaktiven Nukleid entdeckt" worden sei, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. Zu Lugowoi äußerte sich die Behörde nicht.
Kowtun und Lugowoi sind ehemalige Mitglieder des russischen Geheimdienstes. Sie hatten Litwinenko am 1. November in einem Hotel in London getroffen. Auch der Italiener Mario Scaramella, bei dem ebenfalls Spuren von Polonium 210 nachgewiesen wurden, zählte zu den letzten Kontakten Litwinenkos.

Untersuchung als Mordfall
Dieser wurde wenige Stunden nach diesen Treffen krank. Er starb nach dreiwöchiger Qual am 23. November an den Folgen einer Verstrahlung durch das hochradioaktive Polonium 210. Die britische Polizei kündigte am Mittwochabend an, den mysteriösen Tod des russischen Kreml-Kritikers offiziell als Mordfall zu untersuchen.
Lugowois Anwalt, Andrej Romaschow, sagte, die für gestern geplante Befragung seines Mandanten durch die britische Polizei sei bis auf weiteres verschoben. Die Beamten von Scotland Yard seien zu dem Termin nicht erschienen.

Beisetzung in London
Litwinenko wurde gestern auf dem Friedhof Highgate im Norden Londons beigesetzt. Zuvor hatten etwa hundert Menschen an der Trauerfeier in der Moschee des Regents Park für den 43-Jährigen teilgenommen. Unter ihnen waren auch der "Außenminister" der tschetschenischen Rebellenregierung, Achmed Sakajew, und zahlreiche weitere Tschetschenen.
Litwinenko war nach Angaben seiner Familie vor seinem Tod zum Islam konvertiert. "Es ist Putin, der meinen Sohn getötet hat", sagte Litwinenkos Vater Walter. Der ehemalige russische Spion hatte auf seinem Sterbebett den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, hinter seiner Ermordung zu stecken. Der Kreml weist dies zurück.
Der wegen seiner mysteriösen Erkrankung in die Schlagzeilen gekommene frühere russische Regierungschef Jegor Gaidar geht nach eigenen Angaben weiter von einer Vergiftung aus. Auch wenn die Ärzte keinen Beweis dafür hätten, sage ihm dies sein gesunder Menschenverstand, erklärte Gaidar der "Financial Times".
In der Affäre um den Gifttod sind jetzt auch bei sieben Angestellten eines Londoner Luxus-Hotels Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 entdeckt worden. Dies berichtete gestern die BBC unter Berufung auf die britischen Gesundheitsbehörden. Die Substanz sei im Urin der Angestellten jedoch nur in "sehr geringfügiger Menge" gefunden worden, sodass keine Gefahr bestehe. (AFP/dpa/ta)