Mit den fünf Jahren Straflagerhaft, die ein Gericht in Kirow in einem undurchsichtigen Veruntreuungsprozess nun verhängte, ist der Kremlgegner kaltgestellt. Sein Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Moskau am 8. September sollte ein Praxistest für den Anwalt werden. Zwar hat der Enthüller von Skandalen im Internet in seinen Blogs Hunderttausende Anhänger, aber bisher keine organisierte Bewegung hinter sich. Mit der Kandidatur ist es nun vorbei.

Aufgeben will er deshalb aber nicht. "Langweilt Euch nicht ohne mich. Aber das Wichtigste ist: Bleibt nicht tatenlos", twitterte er, bevor er abgeführt wurde.

Seine Frau Julia im Gerichtssaal sah müde aus - sie muss Tochter und Sohn nun allein großziehen im Moskauer Gebiet, wo auch Nawalny am 4. Juni 1976 geboren wurde. Von dort aus hatte er zunächst jahrelang im Verborgenen agiert. Mit scharfen Attacken im Stil der Enthüllungsplattform Wikileaks deckte er Skandale auf.

Nawalnys Spezialität sind undurchsichtige staatliche Ausschreibungen, bei denen Millionenbeträge oft in dunklen Kanälen versickern. Er hinterfragt auch, wohin Gewinne aus dem russischen Gas- und Ölgeschäft fließen.

Nach den von Fälschungsvorwürfen überschatteten russischen Wahlen gehörte er seit 2011 zu denen, die Massen mobilisieren konnten. Auf der Straße gelangte auch sein Slogan von der Kremlpartei Geeintes Russland als "Partei der Gauner und Diebe" schnell zu großem Erfolg. Es folgten erste Arreststrafen von bis zu 15 Tagen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International führte ihn deshalb sogar als "politischen Gefangenen" wie den Putin-Kritiker und Ex-Ölmanager Michail Chodorkowski.

Politologen bescheinigen Nawalny zwar großes Talent, aber auch Selbstüberschätzung - und sehen zugleich noch Entwicklungspotenzial. Politisch gilt er als überzeugter Patriot - zum Ärger mancher seiner Anhänger auch als Ultranationalist.